Japans Banken spüren niedrige Zinsen - Tausende Stellen fallen weg

Tokio (APA/Reuters) - Die japanischen Großbanken verschärfen wegen der niedrigen Zinsen und strikter Kapitalvorschriften ihren Sparkurs. „Wi...

Tokio (APA/Reuters) - Die japanischen Großbanken verschärfen wegen der niedrigen Zinsen und strikter Kapitalvorschriften ihren Sparkurs. „Wir müssen bei den Kosten wettbewerbsfähiger werden und unsere Produktivität steigern“, so Mizuho-Financial-Chef Yasuhiro Sato nach Vorlage der Quartalszahlen. Die drittgrößte japanische Bank will weniger Mitarbeiter einstellen und so binnen zehn Jahren 19.000 Arbeitsplätze abbauen.

Damit fallen ein Viertel der Stellen weg. Zudem will das Institut bis Ende 2025 100 von 500 Filialen schließen.

Auch die größte japanische Bank Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) plant massive Einschnitte. Bis 2024 will das Institut in der Kernbank 30 Prozent der Prozesse automatisieren - der Papierkram würde sonst 9.500 Mitarbeiter beschäftigen. „Wir müssen unsere Kostenstruktur verändern“, sagte MUFG-Chef Nobuyuki Hirano. Das zweitgrößte japanische Kreditinstitut Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) will ebenfalls Prozesse straffen. 4.000 Mitarbeiter sollen sich künftig nicht mehr mit der Bürokratie beschäftigen, sondern in andere Geschäftsbereiche wechseln, wie SMFG-Chef Takeshi Kunibe sagte.

Vor Entlassungen schrecken die Großbanken allerdings aus Sorge vor ihrem Ruf zurück. Bei ihnen ist die lebenslange Beschäftigung die Norm. Auch Vorruhestandsregelungen schloss Mizuho-Chef Sato aus.

Japans Geldhäuser leiden unter den seit Jahren niedrigen Zinsen - und ein Ende der lockeren Geldpolitik der japanischen Notenbank ist nicht in Sicht. SMFG und Mizuho erwarten im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 einen Gewinnrückgang, MUFG ein Ergebnisplus von 2,5 Prozent.

Im Zeitraum Juli bis September steigerten SMFG und MUFG den Nettogewinn - insbesondere dank des Verkaufs von Unternehmensbeteiligungen und niedrigerer Belastungen durch faule Kredite, wie sie am Dienstag mitteilten. Der Überschuss von SFMG kletterte um 2,2 Prozent auf umgerechnet 1,3 Mrd. Euro, MUFG verdiente mit umgerechnet 2,5 Mrd. Euro zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für MUFG zahlte sich auch die Beteiligung an der US-Investmentbank Morgan Stanley aus, an der das Geldhaus rund ein Fünftel hält. Der Nettogewinn von Mizuho schrumpfte dagegen um zwölf Prozent auf umgerechnet 1,5 Mrd. Euro.