Fescher Bayer in neuen Kleidern
BMW hat der gesamten 4er-Reihe heuer eine Überarbeitung zuteil werden lassen. Neben neuer Technik bekommt der Bestseller – das Gran Coupé – ein neues Fahrwerk.
Von Lukas Letzner
Innsbruck – Seit etwas mehr als vier Jahren hat BMW die 4er-Modellreihe um das Cabrio, das Coupé und das Gran Coupé erweitert. Für das aktuelle Modelljahr haben die Bayern ihrer sportlichen Mittelklasse eine Frischzellenkur spendiert, weshalb wir den Bestseller der 4er-Reihe – das Gran Coupé – für einen ausführlichen Test geladen haben.
Die auffälligste Änderung am Blechkleid des Neuen sind die überarbeiteten Schürzen vorne und hinten. Sie tragen jetzt serienmäßig die LED-Leuchten, während die adaptiven Scheinwerfer weiterhin ein zusätzliches Kreuz bei der Bestellung voraussetzen. Zwar wurden die Änderungen mit Bedacht vorgenommen, aber sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Der Auftritt wirkt nun noch dynamischer als bisher und speziell das Gran Coupé ist so dosiert coupéhaft gemacht, dass es familienkompatible Vernunft und unlimousinige Eleganz charmant vereint.
Zweiteres merkten wir auch beim Einsteigen, als uns die Sportsitze unseres Bayern einen herzlichen Empfang bereiteten. Das Interieur fällt – BMW-typisch – durch hochwertige Materialien und ausgezeichnete Verarbeitung auf. Eine zusätzliche Ziernaht und Chrom-Applikationen sollen einen noch hochwertigeren Eindruck vermitteln als bisher. Das bekannte Navigationssystem Professional kommt nun auch im 4er zum Einsatz und verfügt über eine neue Oberfläche, die bei Bedarf bis zu sechs unterschiedliche Informationskacheln anzeigt. Gegen Aufpreis wechselt das neue multifunktionale Instrumentendisplay seine Anzeigeart je nach Fahrstil: rot im Programm Sport, blau bei Eco Pro und im Comfort-Modus werden klassische Instrumente mit schwarzem Hintergrund angezeigt. Dass die elegante Form ihren Tribut fordert, merkt man speziell in der hinteren Reihe. Wer die 185 Zentimeter Körpergröße knackt, der muss Kopf und Knie leicht einziehen. Mit dem Kofferraum sollte man hingegen ein leichtes Auskommen finden: Er lässt sich von standardmäßigen 480 Litern auf 1300 Liter erweitern.
Während man sich beim Platzangebot mit Kompromissen begnügen muss, sollte man beim Antrieb aufs Ganze gehen. In unserem Fall ließ der Reihen-6er, der zwischen den Vorderrädern unseres BMW sein Tagwerk verrichtete, 258 Pferde antraben und presste ein sattes Drehmoment von 560 Nm, welches per xDrive auf alle vier 18-Zoll-Schlapfen verteilt wurde, aus seinen drei Litern Hubraum.
Entsprechend kräftig geht der Selbstzünder die Sache an, schiebt das 4er Gran Coupé in etwas mehr als fünf Sekunden (5,3 Sekunden) auf Tempo 100, und bei unseren deutschen Nachbarn dauert die Beschleunigungsorgie bis zur Maximalgeschwindigkeit von 250 km/h (elektronisch begrenzt) an. Doch geradeaus kann ja bekanntlich jeder. Richtig Freude kommt erst bei der Jagd nach Kurven auf. Im Sport-Modus spannt das Gran Coupé die Muskeln des über- arbeiteten Fahrwerks an, reagiert entsprechend schneller auf Zucker des rechten Fußes und lässt sich äußerst flink ums Eck bewegen. Die Acht-Gang-Automatik liefert stets die richtige Schaltstufe und serviert die nächsthöhere entsprechend schnell. Man merkt allerdings auch das Kampf- gewicht von 1755 Kilogramm.
Trotz teils forscherer Fahrweise hielt sich unser Testverbrauch in Grenzen. 7,5 Liter waren es während der 14 Tage. Kein schlechter Wert angesichts der sechs Zylinder und entsprechender Leistung. Dass dieses Paket natürlich seinen Preis hat, verwundert wenig: 84.361 Euro kostete unser Testwagen. Die Basisversion ist ab 41.350 Euro erhältlich.