Brexit - Großbritanniens zweitgrößte Stadt Birmingham zittert

Birmingham/London (APA) - In der zweitgrößten Stadt Großbritanniens, Birmingham, machen sich Zukunftsängste breit. Die APA sprach mit Vizebü...

Birmingham/London (APA) - In der zweitgrößten Stadt Großbritanniens, Birmingham, machen sich Zukunftsängste breit. Die APA sprach mit Vizebürgermeisterin Brigid Jones über den drohenden Brexit und über die möglichen Folgen des absehbaren Ausscheidens ihres Landes aus der EU - insbesondere für die ehemalige Industriemetropole im Herzen der britischen Midlands.

„Das ist alles sehr traurig“, klagte die unter anderem für Kultur und Tourismus zuständige Stadträtin. „Die Entscheidung hat mir als überzeugter Europäerin regelrecht das Herz gebrochen.“ Ein besonderes Anliegen ist ihr folglich auch die Zukunft der zahlreichen, in Birmingham lebenden nicht-britischen EU-Bürger.

„Birmingham ist die herkunftsmäßig am meisten diversifizierte Stadt im Vereinigten Königreich“, schilderte sie. Eine der Hauptforderungen der von der Labour Party dominierten Stadtregierung an die Verhandler sei es daher sicherzustellen, dass die nicht-britischen EU-Bürger nach dem Brexit unter den selben Bedingungen weiterleben können wie bisher.

Eine größere Abwanderungswelle von qualifizierten Arbeitskräften kann sich die mitten im wirtschaftlichen Wiederaufschwung befindliche Stadt kaum leisten. Ein schwerwiegendes Problem für die mittelenglische Metropole mit ihren rund 1,1 Millionen Einwohnern ist die drohende Rückzahlung von bereits gewährten EU-Fördergeldern für infrastrukturelle und städtebauliche Großvorhaben in vielfacher Euro-Millionenhöhe.

Darüber hinaus drohe ein Einbruch der derzeit positiven Entwicklung bei den Tourismuszahlen. Birmingham verzeichne derzeit rund 39 Millionen Besucher im Jahr. Der Großteil davon komme aus anderen EU-Mitgliedstaaten. Obwohl Birmingham selbst nur wenige weithin bekannte Tourismusattraktionen bietet, ist die Stadt durch ihre Lage und als Verkehrsdrehscheibe attraktiv.

Neben der Nähe zur Shakespeare-Geburtsstadt Stratford-upon-Avon seien auch die Verbindungen nach London mittlerweile so effektiv, dass das Zentrum von London über den Flughafen von Birmingham zumindest zu Stoßzeiten schneller erreichbar sei als vom Londoner Großflughafen Heathrow, so Jones. „Ich glaube, wir würden das Wettrennen zweier Versuchspersonen gewinnen“, ist sich die Vizebürgermeisterin mit ihrem Berater einig.

Dass der Brexit in letzter Minute noch gestoppt werden könnte, glaubt Jones nicht: „Wir werden irgendeine Form von Austrittsgebühr zahlen müssen, alles andere zu glauben wäre lächerlich. Wir hier in Birmingham hoffen, dass wenigstens die bereits getätigten Förderungszusagen aus Brüssel halten.“ Bezüglich künftiger EU-Fördergelder sehe sie ohnehin schwarz.

(Das Gespräch führte Andreas Stangl/APA)