Mafia und Neofaschismus: Militär bei Stichwahlen in Ostia im Einsatz

Rom (APA) - Scharfe Sicherheitsvorkehrungen werden am kommenden Sonntag für die Stichwahlen in Ostia bei Rom ergriffen. Ein starkes Polizeia...

Rom (APA) - Scharfe Sicherheitsvorkehrungen werden am kommenden Sonntag für die Stichwahlen in Ostia bei Rom ergriffen. Ein starkes Polizeiaufgebot und der Einsatz von Militärs sollen für einen reibungslosen Ablauf der Stichwahl in dem Badeort, der 30 Kilometer von Italiens Hauptstadt entfernt liegt, sorgen. Die Ortschaft ist wegen Verstrickungen zwischen Mafia und Neofaschisten ins Rampenlicht gerückt.

In Ostia geht die Kandidatin der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Giuliana Di Pillo, mit 30 Prozent der Stimmen in die Stichwahl gegen die Bewerberin der Mitte-Rechts-Allianz, Monica Picca, mit 27 Prozent. Völlig offen ist, wen die Wähler, die beim ersten Wahlgang der ausländerfeindlichen Gruppierung CasaPound neun Prozent der Stimmen beschert hatten, unterstützen werden. Bei den Wahlen vor fünf Jahren war die CasaPound auf lediglich 1,8 Prozent der Stimmen gekommen.

Geprägt wurde der Wahlkampf in Ostia von Diskussionen über eine Vernetzung zwischen CasaPound und mafiösen Gruppen. Am Samstag waren etwa 2.000 Bürger in dem Badeort am Thyrrenischen Meer auf die Straße gegangen, um einen entschlosseneren Kampf gegen Korruption und Kriminalität zu verlangen. Angeführt wurde die Demonstration von der römischen Bürgermeisterin Virginia Raggi. „Weder Mafia noch Faschismus“ war auf Plakaten der Demonstranten zu lesen.

Überschattet wurde die Kampagne auch vom Fall eines römischen Gangsters, der vergangene Woche den RAI-Journalisten Daniele Piervincenzi geschlagen und verletzt hatte. Piervincenzi war von Roberto Spada, Bruder des Mafia-Bosses Carmine Spada, in Ostia bei Rom angegriffen worden. Spada, der dabei dem Journalisten das Nasenbein brach, wurde festgenommen. Der Fall sorgte für Aufregung. Piervincenzi hatte Spada in Ostia nach seinen Verbindungen zur CasaPound befragt, bevor er von diesem angegriffen wurde.

Die neofaschistische Gruppe berief sich bei ihrer Gründung 2003 auf den US-Schriftsteller Ezra Pound (1885-1972), der von Italien aus rassistische Hetzschriften veröffentlicht hatte. Die Organisation zählt nach eigenen Angaben mehr als 4.000 Mitglieder und ist vor allem in Rom stark verankert. Mehrere Aktivisten der selbst ernannten „Faschisten des Dritten Jahrtausends“ waren in Gewaltakte gegen Migranten verwickelt.