IEA-Chef Birol: Elektroautos allein werden Klimawandel nicht stoppen
Wien (APA) - Im Jahr 2040 werden weltweit 300 Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein, schätzt die Internationale Energieagent...
Wien (APA) - Im Jahr 2040 werden weltweit 300 Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein, schätzt die Internationale Energieagentur (IEA). Auf den Klimawandel wird sich das aber nicht spürbar auswirken. „Der Effekt auf die Reduktion der globalen CO2-Emissionen beträgt weniger als ein Prozent“, sagt IEA-Chef Fatih Birol. „Elektroautos alleine werden das Problem des Klimawandels nicht lösen.“
„Heute haben wir zwei Millionen Elektroautos, bei einem weltweiten Auto-Bestand von einer Milliarde“, sagte Birol am Mittwoch bei der Präsentation des „World Energy Outlook 2017“ in Wien. Bis zum Jahr 2040 werde sich der gesamte Pkw-Bestand auf zwei Milliarden Fahrzeuge verdoppeln, die Elektroautos mit 300 Millionen Stück also 15 Prozent ausmachen. „Das sind nicht Peanuts, aber die Zahl könnte sicher auch höher sein. Das wird davon abhängen, wie schnell die Kosten der Batterien sinken und wie sehr die Regierungen dahinter sind, etwa beim Ausbau der Infrastruktur. Aber es könnte auch langsamer passieren, wenn die Regierungen ihre Hausaufgaben nicht machen.“
Jedenfalls werden Elektroautos nicht das Ende der Öl-Nachfrage einläuten, ist Birol überzeugt. „Es ist viel zu früh, den Nachruf auf das Erdöl zu schreiben.“ Zwar würden Pkw immer effizienter, und auch bei der Stromproduktion werde immer weniger Öl eingesetzt, „aber das ist nicht das ganze Bild. Lkw sind ein großer Treiber der Öl-Nachfrage und unser blinder Fleck, wenn es um die Ölnachfrage und CO2 geht. Alle reden über Pkw, aber niemand über Lkw.“
Auch in der Luftfahrt sei Erdöl schwer zu ersetzen und in der Petrochemie werde man sogar noch mehr Öl benötigen. „Die Welt braucht immer mehr Plastik.“ Die IEA geht deshalb davon aus, dass die Ölnachfrage weiter zunehmen wird, wenn auch langsamer als bisher.
Auf der Produktionsseite seien die USA bereits heute ein wichtiger Gasexporteur, „2020 werden sie auch ein Nettoexporteur von Erdöl werden“, so der IEA-Chef, „und zwar auch deshalb, weil sie durch strengere Standards beim Treibstoffverbrauch ihren eigenen Bedarf senken.“ Dennoch würden die USA den Großteil ihrer Produktion selbst verbrauchen, der Nahe Osten werde deshalb der größte Ölexporteur der Welt bleiben.
Beim Erdgas werde sich das Bild rasch ändern, sind die Energieexperten der IEA überzeugt. Derzeit werde Gas zu 60 Prozent über Pipelines gehandelt, künftig werde der Anteil von verflüssigtem Erdgas (LNG) aber vor allem durch das Angebot aus den USA, aber auch Australien, Katar und Russland steigen. 90 Prozent des Zuwachses beim Gasverbrauch werden von LNG kommen, schätzt die IEA. Für die Importeure sei das eine gute Nachricht, denn LNG werde das Preisniveau drücken. „Auch wenn man selbst kein LNG bezieht, wird das Gas billiger, weil es die zumindest die Option gibt, es auch in Form von LNG zu kaufen.“
Die fossilen Energieträger werden also noch lange eine wichtige Rolle spielen, aber „unsere Botschaft ist: Die Zukunft ist elektrisch“, ist Birol dennoch überzeugt. 2016 sei zum ersten Mal mehr im Stromsektor investiert worden als in Öl und Gas. „Wir erwarten in den nächsten zwei Jahrzehnten eine Zunahme von 30 Prozent beim Energieverbrauch insgesamt und 60 Prozent bei Strom.“ Eine Schlüsselrolle bei dieser Entwicklung spiele China. Dabei gehe es der Führung in Peking erst nachrangig um den Klimawandel, vordringlicher sei für sie die Reduktion der Luftverschmutzung in den Städten. Außerdem wolle China an der Spitze des Innovationstrends stehen. Auch aus der Sicht der IEA ist die Luftverschmutzung ein wichtiges Thema neben dem Klimawandel. Ein weiteres sei der Zugang zu Elektrizität für eine Milliarde Menschen, die derzeit ohne Stromversorgung seien.
„Das Argument, dass es nicht möglich sei, eine Milliarde Menschen mit Strom zu versorgen und gleichzeitig die CO2-Emissionen zu senken, akzeptiere ich nicht“, sagt der IEA-Chef. „Es ist möglich.“
Das Ziel, fast die gesamte Energieversorgung auf elektrischen Strom umzustellen, sei „nicht nur möglich, sondern sogar unvermeidlich“, meint David Hochschild von der California Energy Commission. Kalifornien werde das Ziel, bis 2030 die Hälfte seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken, möglicherweise schon 2020 erreichen. „Fossile Brennstoffe werden in Zukunft die Alternativenergien sein“, so Hochschild. Die Technik für saubere Energie - Solarpanele, Batterien, LEDs - werde immer billiger, während die Fossilen durch die Verknappung immer teurer würden. „Die Preistrends sind auf unserer Seite.“
~ ISIN AT0000746409 WEB http://www.verbund.com
http://www.iea.org/ ~ APA343 2017-11-15/13:29