Skispringen

Skisprung-Cheftrainer Kuttin: „Wir führten beinharte Gespräche“

Bei den Skispringern geht am Schanzenturm wieder die Sonne auf. Skisprung-Cheftrainer Heinz Kuttin blickt der anstehenden Saison zuversichtlich entgegen.
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Heinz Kuttin verrät, wie eine Aussprache zwischen ihm und Gregor Schlierenzauer das Leben erleichterte und welche besondere Herausforderung die kommende Saison an den Skisprung-Cheftrainer stellt.

Innsbruck — Mit der Qualifikation (Freitag, 18 Uhr/live Eurosport) für die Wettkämpfe im polnischen Wisla heben die österreichischen Skispringer in eine ereignisreiche Saison ab: Vierschanzentournee, Skiflug-WM und Olympische Spiele. Heinz Kuttin, Cheftrainer seit April 2014, steht jedoch nicht nur am Trainerturm mit beiden Beinen am Boden und sieht den Höhepunkten entspannt entgegen.

Was überwiegt so kurz vor dem Auftakt: die Spannung oder die Vorfreude?

Heinz Kuttin: Die Vorfreude, aber es wird natürlich spannend. Wir wollen gut starten, aber wir haben keine richtigen Schneesprünge absolviert. Deswegen ist mir wichtig, dass jeder seine guten Leistungen vom Training abrufen kann, um Selbstvertrauen zu tanken.

Wie wichtig ist ein guter Start für die mit Höhepunkten gespickte Saison?

Kuttin: Einen Lauf brauchen wir erst, wenn die Höhepunkte kommen. Und bis zur richtigen Standortbestimmung brauchen wir ein, zwei Wettkämpfe.

Sie haben gesagt, der Wettkampfkalender werde „immer ärger". Wie gehen Sie damit um?

Kuttin: Deswegen haben wir uns in der Vorbereitung auf den Sektoren Regeneration auf aktiver und passiver Basis und Ernährung weitergebildet und diese weiter ausgereizt. Wir haben bei allen Athleten Körperscreenings durchgeführt, um ein System aufzustellen, das für jeden einzelnen Athleten das Optimale herausbringt. Ansonsten haben wir uns vom Prinzip her gleich vorbereitet wie im Vorjahr. So, dass wir im Winter von Anfang bis zum Ende in einer möglichst guten Form durchhalten können.

Möglichst ohne Virus, so wie vergangene Saison bei der Vierschanzentournee.

Kuttin: Deswegen haben wir auch auf das Thema Gesundheit einen Fokus gelegt. Im Winter kommen wir mit noch mehr Menschen in Kontakt und dabei ist der Handschlag etwas ganz Normales.

Gilt bei den Skispringern nun Handschlagverbot?

Kuttin: Das werden Sie dann merken (lacht). Nein — es soll nur ein ganz klares Bewusstsein für die Gesundheit da sein.

Vor allem Stefan Kraft erwischte es. Danach flog er von Titel zu Titel, wodurch Sie mit höheren Erwartungen konfrontiert sind.

Kuttin: Ich habe das Ganze auch genossen und genieße es immer noch. Ich bin jetzt schon ein paar Jahre Trainer. Und natürlich habe ich jetzt einen anderen Druck von außen, aber ich bin davon überzeugt: immer wieder bei null zu starten. Der einzige Unterschied ist die Erwartungshaltung von außen. Wenn du eine Saison hast, in der sehr viel gut gelaufen ist, erwartet jeder die Wiederholung.

Zu viel Fokus auf Olympia! Der 46-jährige Kuttin versucht, von dem Thema so gut wie möglich abzulenken.
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Dasselbe gilt für Stefan Kraft.

Kuttin: Natürlich ist seine Situation nach der vergangenen Saison eine neue, aber er lernt, damit umzugehen. Er arbeitet ständig daran und ich finde gut, wie er es managt. Was im Winter passiert, wird man sehen, denn dann geht es ans Eingemachte. Wenn ich seine Leistungen mit denen im vergangenen Jahr zur selben Zeit vergleiche, dann springt er jetzt besser.

Gregor Schlierenzauer war Ihrer Meinung nach bis zu seiner Verletzung auch auf einem sehr guten Weg.

Kuttin: Die Verletzung jetzt ist natürlich sehr hart. Aber ich schätze Gregor nach seinen Erfahrungen ganz groß ein. Er war eineinhalb Stunden nach dem Missgeschick schon wieder sehr, sehr positiv im Kopf. Davor habe ich größten Respekt.

Wie stehen Sie zu seinem angekündigten Blitz-Comeback im Dezember (Engelberg/SUI, Anm.)?

Kuttin: Wir haben einen Masterplan für ihn aufgestellt, er ist immer einen Tag voraus. Und weil er körperlich topfit ist, kann es sehr rasch gehen.

Liegt das auch an seiner etwas anderen Vorbereitung?

Kuttin: Wir hatten nach der Saison richtig gute Analysen. Wir führten beinharte Gespräche und haben dann einen sehr guten Weg gefunden, der für das gesamte Team und auch für Gregor die optimale Vorbereitung gebracht hat. Seine gesamte Entwicklung, vom Sportlichen bis zum Materialsektor ist auf einem sehr guten Weg.

Trauen Sie ihm zu, die Szene wieder zu dominieren?

Kuttin: Warum nicht? Aber was passieren wird, kann keiner sagen und würde sich auch keiner zu sagen trauen.

Können Sie die größte Herausforderung dieser Saison nennen?

Kuttin: Von den Olympischen Spielen abzulenken, weil jeder diese im Fokus hat und weil jeder darauf angesprochen wird. Es wird wichtig sein, Wettkampf für Wettkampf abzuarbeiten. Und wenn wir in Pyeongchang sind, ist es ein Skispringen wie jedes andere. Die Herausforderung, dass man nicht an Olympia denkt.

Das Interview führte Susann Frank