NÖ Landesfeiertag - LH Mikl-Leitner: Heimat soll „erkennbar“ bleiben

St. Pölten (APA) - Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat am Mittwoch bei einem festlichen Abend anlässlich des La...

St. Pölten (APA) - Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat am Mittwoch bei einem festlichen Abend anlässlich des Landesfeiertages (Hl. Leopold) betont: „Land und Heimat sind wichtiger und aktueller als je zuvor.“ Traditionen und Bräuche sollten nicht „aus falsch verstandener Toleranz“ versteckt werden, sagte Mikl-Leitner in ihrer Rede vor mehr als tausend Gästen im Festspielhaus St. Pölten.

„Die Welt ist unsicherer geworden, wir alle sind konfrontiert mit gewaltigen Bewegungen und Veränderungen - mit Terrorismus und internationalen Konflikten, Migration und oft fehlender Integration, mit Klimawandel und zunehmender Globalisierung“, so Mikl-Leitner. Die Folge seien die Sehnsucht nach Orientierung und die Suche nach Identität. „Land und Heimat sind die Wegweiser auf der Suche nach Identität“, betonte Mikl-Leitner, die den Landesfeiertag zum ersten Mal als Landeshauptfrau beging.

Umso wichtiger sei die gemeinsame Verantwortung dafür, „dass unsere Heimat auch erkennbar bleibt“, nahm Mikl-Leitner auf Sitten und Bräuche Bezug: So sei der Advent „Teil unserer Identität“, die Geschichte vom Heiligen Nikolaus „Teil unseres Selbstverständnisses“ und das Vorbereiten auf Weihnachten „eine Selbstverständlichkeit, und das soll es auch bleiben - im Kindergarten, in der Schule, in der Familie und im öffentlichen Leben. Das ist mit Sicherheit nichts, was man aus falsch verstandener Toleranz verstecken muss“, betonte die Landeshauptfrau. Wenn etwa aus Weihnachtsmärkten Wintermärkte werden, „dann gehen unsere Traditionen verloren. Dann geben wir unsere Identität auf.“

„Niederösterreich ist kein Land zum Wegziehen, sondern ein Land zum Bleiben. Und auf das sind wir stolz“, sagte Mikl-Leitner. Als Herausforderungen nannte sie die Steuerung der Migration und die Integration, Globalisierung, Mobilität sowie - als größte Herausforderung - den digitalen Wandel, weil er alle Lebensbereiche betreffe. Die digitale Welt halte große Chancen bereit - etwa für mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätze in den Regionen und neue Formen in der Aus- und Weiterbildung. „Wir nutzen den digitalen Wandel für Land und Leute“, erklärte die Landeshauptfrau.

Als Gastredner fungierte Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher, der auf eine enge Verbundenheit zwischen Niederösterreich und Südtirol „im gemeinsamen Haus Europa“ verwies. Beide Länder „sind gut aufgestellt“, es habe sich aber Verunsicherung breitgemacht - etwa durch Globalisierung, Digitalisierung und Migration. Darauf müsse mit „klarer, vernunftgeprägter Politik und klaren Antworten“ reagiert werden. Es brauche „durchdachte, zukunftsorientierte Standortpolitik“. Beim Thema Migration müssten die europäischen Staaten die Regeln gemeinsam durchsetzen, dann könne man auch die humanitäre Pflicht erfüllen, zu der man stehe.

Kompatscher verwies darauf, dass Misserfolge oft auf die EU geschoben werden. Man sollte aufhören, „auf die EU zu schimpfen“. Nach dem Brexit-Votum gebe es den „nächsten Weckruf“ in Katalonien. „Wir Südtiroler sind solidarisch mit den Katalanen“, erklärte Kompatscher. Er wisse aber nicht, ob der dortige Weg der Richtige sei. In Südtirol habe man stets Verhandlungen gesucht.

Der festliche Abend zum Landesfeiertag fand heuer zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren in der Landeshauptstadt St. Pölten statt, wie Mikl-Leitner in ihren Begrüßungsworten sagte. Unter den zahlreichen Gästen aus Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche waren auch Mikl-Leitners Vorgänger an der Landesspitze, Erwin Pröll, und Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP). Für die musikalische Gestaltung sorgten das Blechbläserquintett des Jugendsinfonieorchesters Niederösterreich, das Benigna Streichquartett und das Ensemble des Jugendjazzorchesters Niederösterreich. Moderiert wurde der Abend erstmals von Ex-ORF-Moderator Gerald Groß.