Südtirol

Bub (5) am Brenner gefunden: Eltern sollen in Deutschland sein

(Symbolfoto)
© Julia Hammerle

Die Familie des am Montag auf einem Güterzug am Brenner entdeckten Fünfjährigen aus Sierra Leone dürfte sich laut Angaben italienischer Behörden in Nordeuropa aufhalten.

Von Nikolaus Paumgartten

Brenner – Im Drama um den fünfjährigen Anthony, der am Montag alleine zusammengekauert unter dem Flachwagen eines Güterzugs am Grenzbahnhof Brenner gefunden wurde, zeichnet sich ein Happy End ab. Wie Antonella Fava, die zuständige Staatsanwältin am Bozner Jugendgericht, gestern mitteilte, sollen sich die Eltern des Flüchtlingsbuben aus Sierra Leone in einem nordeuropäischen Land aufhalten. Spekuliert wird darüber, dass sie in Deutschland sind. Das Kind habe laut italienischer Nachrichtenagentur ANSA die Eltern auf Bildern erkannt, die ihm von Hilfsorganisationen vorgelegt worden waren. Die Bozner Polizei hat nun Kontakt mit den lokalen Behörden aufgenommen.

Wann und wie der kleine Anthony und seine Eltern wieder zusammenkommen, lässt sich laut Antonella Fava noch nicht sagen. Zunächst müsse geklärt werden, ob und wo die Familie einen Asylantrag gestellt hat und ob sie überhaupt geeignet ist, sich um das Kind zu kümmern. Letzteres werde vom Jugendgericht zu klären sein, bis dahin wird Anthon­y bei einer vom Sozialdienst ausgewählten Familie oder in einer Wohngemeinschaft untergebracht. Gestern konnte Anthony das Krankenhaus wieder verlassen.

Seine Odyssee dürfte der Fünfjährige ohne bleibende gesundheitliche Schäden überstanden haben. Laut Auskunft der Ärzte sei der Bub jedoch stark unterkühlt gewesen, viel länger hätte er mit einer derart niedrigen Körpertemperatur wohl nicht überlebt. Er war, wie berichtet, im Zuge einer Kontrolle am Bahnhof Brenner auf italienischer Seite vom Chef der Bahnpolizei, Stefano Linossi, gefunden worden. „Eine Stunde lang hat das Kind nur gezittert, obwohl es sich im Warmen befand. Wenn man es 15 Minuten später gefunden hätte, wäre es zu spät gewesen“, sagte Linoss­i am Dienstag. Den Ärzten im Krankenhaus Brixen hatte Anthony zunächst seinen Namen mitgeteilt und dann zu verstehen gegeben, dass er aus Sierra Leone komme. Am Mittwoch wurde er auf Anordnung des Jugendgerichtes von einer Mediatorin in der Muttersprache des Buben einvernommen. Anthony habe sich dabei sehr erfreut gezeigt, seine Sprache hören und sprechen zu können, und Informationen über seine Familie gegeben, erklärte Staatsanwältin Fava gestern gegenüber den Medien. Das Kind könne sich erinnern, zusammen mit seiner Familie unterwegs, dann aber plötzlich alleine gewesen zu sein. Er erinnere sich auch, dass ihm sehr kalt war und er seine Beine nicht mehr bewegen konnte. Anthony wird von Antonella Fava als gepflegt und wohlerzogen beschrieben, er spreche außerdem ein wenig Englisch und Italienisch.