„Perserinnen“ einst und heute: R. H. Quaytman in der Secession

Wien (APA) - Frauen, die ihre Unterleiber entblößen, um ihre Männer zum Kampf anzustacheln: Diesem Sujet des flämischen Renaissancemalers Ot...

Wien (APA) - Frauen, die ihre Unterleiber entblößen, um ihre Männer zum Kampf anzustacheln: Diesem Sujet des flämischen Renaissancemalers Otto van Veen aus seinem Bild „Die Perserinnen“ widmet sich die US-amerikanische Künstlerin R. H. Quaytman in ihrer neuen Werkgruppe. „An Evening, Chapter 32“ ist aktuell in der Wiener Secession zu sehen, wo Quaytman den Hauptraum für ihre historischen Überlagerungen nutzt.

Die Künstlerin ist bekannt dafür, ihre stets in Gruppen angeordneten Arbeiten durchzunummerieren. Meist stellen ältere Kunstwerke den Ausgangspunkt dar: Quaytman nutzt sie aber nicht nur als fotografische Grundlage für ihre mal malerischen, mal in anderer Form auftretenden Eingriffe, sondern ist ebenfalls Forschende, die sich intensiv mit ihrer Vorlage auseinandersetzt. Diesmal ging das sogar so weit, dass sie die Restaurierung des im Kunsthistorischen Museum lagernden Originals finanziell unterstützte. Es ist nun Seite an Seite mir ihren Bildern zu sehen.

Van Veen (1556-1629) greift wie schon bei seinen „Amazonen“, die im Frühjahr in der KHM-Reihe „Ansichtssache“ gezeigt wurden und aktuell Teil der dortigen Rubens-Schau sind, ein für damalige Zeiten ungewöhnliches Sujet auf: „Die Perserinnen“ beziehen sich auf eine Erzählung Plutarchs, der zufolge Soldaten der persischen Armee sich bei einer Schlacht zurückziehen wollten. Dabei trafen sie allerdings auf ihre Frauen, die den Mutlosen energisch entgegentraten, ihre Schöße entblößten und sie als Feiglinge bezeichneten. Daraufhin wendeten die Kämpfer und triumphierten am Schlachtfeld.

Quaytman hat Ausschnitte des Bildes für ihre Interventionen genutzt: Mitunter scheinbare Gebrauchsspuren aufweisend und so auch auf den Restaurierungsprozess Bezug nehmend, konzentrieren Farbverläufe, hinzugefügte Muster und ausgefranste Ränder den Blick des Betrachters. Beide Vorlagen des Altmeisters werden letztlich einbezogen in die rund zwei Dutzend Bilder, die Quaytman wie ein geöffnetes Buch im weitläufigen Raum angeordnet hat und in punkto Größe Anleihen an Gustav Klimts Beethovenfries nimmt. Für ein zur Schau erscheinendes Künstlerbuch hat außerdem Elfriede Jelinek einen Essay verfasst.

Parallel zu Quaytman ist ab dem morgigen Freitag auch Olga Chernysheva in der Secession zu sehen: Deren „Chandeliers in the Forest“ besteht sowohl aus neuen wie älteren Arbeiten, wobei die ausgebildete Animationsfilmemacherin sich allen voran dem russischen Alltagsleben annähert. So etwa in der Serie „Moscow River“, die den Rückgang des Wasserstands in einem Fluss nachzeichnet - wo man früher schwimmen konnte, watet man nun nur noch. Museumswärtern zwischen Entspannung und Aufmerksamkeit begegnet man in „Chekhov Museum“. Einen ähnlich zwiespältigen Aktivierungszustand weisen die Tierbeine in den Kohlezeichnungen „Queuing“ auf: Diese Fiakerpferde säumen den Stiegenaufgang zum Kabinett. Beide Ausstellungen laufen bis 21. Jänner.

(S E R V I C E - Ausstellungen in der Secession: R. H. Quaytman, „An Evening, Chapter 32“ (Hauptraum) sowie Olga Chernysheva, „Chandeliers of the Forest“ (Galerie und Grafisches Kabinett), jeweils von 17. November bis 21. Jänner, zu beiden Ausstellungen erscheint ein Künstlerbuch; Friedrichstraße 12, 1010 Wien, Di-So, 10-18 Uhr; www.secession.at)