Spektakulärer Grabfund auf Deponie in Ampass
Auf der Widumdeponie bei Ampass sind ein gewaltiges hallstattzeitliches Brandgräberfeld und Reste einer römischen Siedlung aufgetaucht. Die BBT muss die Befüllung der Aushubdeponie daher vorzeitig beenden.
Von Michael Domanig
Ampass –Damit hatte wohl keiner gerechnet: Im Bereich der Bodenaushubdeponie im Widumtal bei Ampass sind bereits im Sommer aufsehenerregende archäologische Funde aufgetaucht – konkret ein über 2500 Jahre altes Brandgräberfeld und Hinweise auf eine römische Siedlung. Für die Brennerbasistunnelgesellschaft (BBT SE), die auf der Deponie Ausbruchmaterial aus dem Zufahrtstunnel Ampass deponiert, bedeutet dies, „dass die Deponie nicht in vollem Umfang fertig befüllt werden kann und die Schüttung vorzeitig beendet werden muss“, bestätigt Johann Hager, Anwalt der BBT SE, im TT-Gespräch. Die Deponie ist für insgesamt 133.000 Kubikmeter Material genehmigt, sie ist erst ca. zur Hälfte befüllt.
Seitens der BBT betont man, dass man sofort alle gesetzlich vorgegebenen Schritte ergriffen und das Bundesdenkmalamt von Anfang an beigezogen habe. Man lege großen Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Funden, betont Hager. „Eine Deponierung war immer nur in kleinen Streifen möglich, sobald diese von den Archäologen freigegeben wurden“, berichtet er.
Seine Aufgabe sei nun zu klären, „wie man das Ganze rechtlich ordnungsgemäß abführt“, meint Hager. Dabei gehe es um den Abschluss der Grabungen und die ordnungsgemäße Schließung der Deponie – einiges an Material wird noch aufgebracht werden, um die Geländeform zu sichern –, aber auch um den weiteren Umgang mit den Funden. Die BBT und das Stift Wilten als Grundbesitzer sind gesetzlich jeweils Hälfteeigentümer der Funde, erklärt Hager. Hier gelte es, in Absprache mit Denkmalamt, Stift und Land Tirol einen Weg „zwischen wissenschaftlichem Interesse, ethischen Aspekten und Kosten zu finden“. Was die künftige Deponierung betrifft, werde die BBT auf andere Standorte ausweichen, die Deponie Widumtal sei im Vergleich ohnehin „relativ klein“.
Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt und die Innsbrucker Grabungsfirma Ardis Archäologie nennen Details zu den – bisher bewusst nicht öffentlich gemachten – Funden: Das unerwartet aufgetauchte Brandgräberfeld stammt im Wesentlichen aus der Hallstattzeit, Periode C (800 bis 620 v. Chr.) und D (620 bis 450 v. Chr.), dürfte aber, wie einzelne Funde nahelegen, bis in die angrenzende La-Tène-Zeit hineinreichen. Insgesamt wurden seit Sommer bereits 197 (!) Urnen geborgen, dazu Dutzende weitere geortet, aber noch nicht freigelegt. „Die Urnen wurden in einem Block geborgen und der ganze Erdblock dann eingegipst“, erklärt Pöll. Derzeit befindet sich das Material bei der Firma Ardis. Die Urnen – die Leichenbrand und verbrannte Beigaben enthalten – bestehen aus hochwertiger Keramik, „zum Teil sehr schön mit Ritz- und Strichverzierungen und polierten Oberflächen versehen“, schwärmt Pöll. Auch Schmuckstücke wie Perlen, Ringe oder Armreifen, Messer, Fibeln oder Gürtelfragmente kamen zum Vorschein. Ein vergleichbares Gräberfeld aus dieser Zeit kenne man in Tirol bisher nur aus dem Raum Kundl/Wörgl, betont Pöll. Was sich noch im Boden befindet, wurde zur Frostsicherung mit Sand überdeckt, im Frühjahr sollen die Arbeiten am Gräberfeld weitergehen.
Das Bundesdenkmalamt habe eine Computertomographie angeordnet, mit der zerstörungsfrei geklärt werden soll, was und wie viel in den Gefäßen wirklich steckt, so Pöll weiter. Dann sei zu klären, wo die dauerhafte Lagerung sowie die weitere wissenschaftliche Bearbeitung und Restaurierung der Objekte erfolgen soll. „Da der Fund sehr groß und sehr wichtig ist, wird man etwa mit den Tiroler Landesmuseen reden müssen“, ist Pöll überzeugt. „Es bräuchte auf alle Fälle ein größeres Forschungsprojekt.“ Dies sei natürlich auch eine Frage der Finanzierung.
Apropos: Abseits des Gräberfeldes wurden am Gelände auch ein römisches Haus und ein spätantiker Röstofen freigelegt. Das „römische Dorf“, das sich hier andeutet, werde aber nicht weiter ausgegraben, führt Hager aus. Die prognostizierten Kosten von ca. 800.000 Euro seien nicht zu rechtfertigen. Allein beim Brandgräberfeld sollen für die BBT bereits ca. 300.000 Euro an Kosten angefallen sein.
Die „kaufmännische Entscheidung“ der BBT, die Deponie zu beenden, sei angesichts dessen zu akzeptieren, sagt Reinhold Sigl, Sprecher des Stiftes Wilten, „der Deponierungspreis pro Kubikmeter würde extrem hoch“.
Teil des Gesamtprojektes in Ampass war auch ein geplanter Hochwasserschutz samt fünf Meter hohem Damm entlang des Kirchweges – eine Bedingung der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV), um die Deponie in beantragter Größe errichten zu können. Da die Deponie nun nicht vollständig befüllt wird, sei auch dieser Aspekt hinfällig, betont Hager. Bei BM Hubert Kirchmair hält sich das Bedauern in Grenzen, „der Damm wäre optisch sehr massiv gewesen“. Zudem habe die WLV das Einlaufbecken in diesem Bereich vor einem Jahr neu gemacht – und dieses funktioniere gut.