Kinderbetreuung: Das Wipptal als „Notstandsgebiet“
In Sachen Kinderbetreuung schaut es ganz schlecht aus im Wipptal, sagen betroffene Eltern und die Liste Fritz. Nun formiert sich eine Privatinitiative, um für die Ferien eine Betreuung auf die Beine zu stellen.
Von Denise Daum
Matrei –Klare Worte findet die Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider: „Das Wipptal ist bei der Kinderbetreuung ein Notstandsgebiet.“ Sie erinnert daran, dass es seit 2010 ein Landesgesetz gibt, „das den ganztägigen und ganzjährigen Ausbau der Kinderbetreuung vorschreibt. Die Bürgermeister ignorieren das aber“, ärgert sich Haselwanter-Schneider. Das Problem auszusitzen, werde sich aber nicht spielen.
Das Wipptal umfasst 13 Gemeinden mit rund 16.000 Einwohnern, aktuell gibt es 23 Kindergarten-, vier Kinderkrippen- und eine Hortgruppe sowie vier Ganztagsschulgruppen. Für Kinder über zwölf gibt es keine Ferienbetreuung.
Die zuständige Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) räumte in Beantwortung einer entsprechenden Anfrage der Liste Fritz ein, dass es im Wipptal „Nachholbedarf“ gebe. Sie kündigt an, dass „eine Verordnung über die Abwicklung der Bedarfserhebung in Kürze erlassen“ und an einer Lösung gearbeitet werde.
Für Andreas Felder geht das alles zu langsam. Der Vater aus Mühlbachl weiß nicht, ob er für sein Schulkind in den Weihnachtsferien einen Betreuungsplatz bekommt oder nicht. Er startete vor rund zwei Monaten eine Petition zum Ausbau der Kinderbetreuung – die TT berichtete. Bislang haben sich 140 Unterstützer gefunden, die Hälfte davon aus dem Wipptal. „Ein Vater, der seit Kurzem alleinerziehend ist, muss jetzt sogar wegziehen, weil es keine Betreuung gibt. Das kann es doch nicht sein“, ärgert sich Felder.
Sylvia Tschenett betreibt seit vielen Jahren eine Nachhilfeschule in Steinach und kennt die Situation der Eltern im Wipptal. Tschenett erklärte sich nun bereit, eine private Ferienbetreuung zu organisieren, „wenn die Kinder und Eltern weiter im Stich gelassen werden“. Derzeit führt sie eine Bedarfserhebung durch und hat bereits mit den Schulen Kontakt aufgenommen – das Feedback sei sehr positiv. „Das größte Problem wird wohl sein, geeignete Räumlichkeiten zu finden“, erklärt Tschenett. Sie will nun das Gespräch mit den Bürgermeistern suchen.
Wipptals Planungsverbandsobmann Alfons Rastner erklärte Ende September gegenüber der TT noch, dass die Kinderbetreuung ausreichend sei. Mittlerweile sieht er ein, dass es Handlungsbedarf gibt: „Wir hatten bereits und haben nächste Woche noch Gespräche in der Region zu dem Thema.“ Er habe eine Lösung in der Tasche, die er demnächst präsentieren will. Gleichzeitig stellt er klar, dass es auch in Zukunft im Wipptal nicht so sein wird, „dass wir für die Eltern die Kinder kindsen. Das ist ungerecht jenen gegenüber, die ihre Kinder selbst betreuen.“
Von der Privatinitiative habe er gehört, Tschenett habe aber bislang noch nicht mit ihm darüber gesprochen: „Ich begrüße das Engagement. Wie sie das wirtschaftlich macht, weiß ich nicht“, sagt Rastner.