Saad Hariri - Gefangen zwischen Riad und der Hisbollah

Beirut (APA/AFP) - Es ist nicht einfach, mit den mutmaßlichen Mördern des eigenen Vaters in einer Regierung zu sitzen. Doch im Libanon bleib...

Beirut (APA/AFP) - Es ist nicht einfach, mit den mutmaßlichen Mördern des eigenen Vaters in einer Regierung zu sitzen. Doch im Libanon bleibt oft keine andere Wahl, als mit seinen Feinden zu paktieren.

Saad Hariri hat sich zwei Mal auf eine Koalition mit der Hisbollah eingelassen, obwohl die schiitische Bewegung hinter dem Bombenanschlag vermutet wird, der im Februar 2005 seinem Vater Rafik Hariri in Beirut das Leben kostete. Womöglich hat ihm diese Kooperation nun aber sein Amt als Regierungschef des Libanon gekostet.

Zur allgemeinen Überraschung hatte der Politiker am 4. November von Saudi-Arabien aus angekündigt, von seinem Amt als Ministerpräsident zurückzutreten. In dem Auftritt warf er der Hisbollah und ihrer Schutzmacht Iran vor, den Libanon dominieren zu wollen und einen Anschlag auf ihn zu planen. Die Umstände seiner Rücktrittserklärung führten zu Spekulationen, dass Hariri von Saudi-Arabien zum Rücktritt gezwungen worden sei.

Der libanesische Präsident Michel Aoun erklärte, Hariris Rücktritt erst anzunehmen, wenn dieser nach Beirut zurückgekehrt sei. Aoun beschuldigte Riad zudem, Hariri „gefangen“ zu halten, und auch Paris drängte auf die Rückkehr Hariris. Am Freitag nahm Hariri dann bei einem Treffen mit dem französischen Außenminister Jean-Yves Le Drian in Riad ein Angebot an, zunächst einmal einige Tage nach Frankreich zu kommen.

Der Rücktritt Hariris droht das fragile Gleichgewicht im Libanon zu zerstören und die seit dem Ende des blutigen Bürgerkriegs 1990 ohnehin nie gelösten Konflikte zwischen den Volksgruppen erneut zu verschärfen. Einige Beobachter fürchten schon, dass der kleine Mittelmeerstaat zum Schauplatz eines neuen Stellvertreterkonflikts zwischen den rivalisierenden Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien werden könnte.

Der heute 47-jährige Hariri ist in Saudi-Arabien aufgewachsen und besitzt auch die Nationalität des Königreichs. Während sein Vater als Bauunternehmer dort ein Vermögen machte und in der libanesischen Politik aufstieg, studierte er an der Georgetown-Universität in Washington Wirtschaft. Später heiratete er die Syrerin Lara Bashir Asm, deren Familie in den 50er-Jahren in Damaskus regiert hatte. Zusammen haben sie drei Kinder.

Der Tod des Vaters 2005 zwang Saad Hariri aber, nicht nur die Führung von dessen Baukonzern Oger zu übernehmen, sondern sich auch an die Spitze seiner Partei zu stellen. Als Drahtzieher des Attentats auf seinen Vater machte Saad Hariri den syrischen Machthaber Bashar al-Assad verantwortlich, der ebenso wie der Iran die Hisbollah unterstützt.

Ein internationales Gericht klagte nach langen Ermittlungen fünf Mitglieder der Hisbollah wegen des Anschlags an. Nach dem Sieg seiner Zukunftspartei bei der Parlamentswahl 2009 bildete der Sunnit Hariri dennoch eine Koalitionsregierung unter Beteiligung der schiitischen Bewegung. Als diese nach dem Rückzug der Hisbollah-Minister 2011 zerbrach, trat Hariri ab und verließ für mehrere Jahre das Land.

Erst im Juni 2016 kehrte er zurück und verkündete wenige Monate später ein Bündnis mit seinem Rivalen Michel Aoun. Während der Christ zum Präsidenten gewählt wurde, übernahm Hariri erneut die Führung der Regierung. Dafür musste er sich jedoch abermals mit der Hisbollah zusammentun. Angesichts ihrer engen Verbindungen zum Iran, sah Saudi-Arabiens mächtiger Kronprinz Mohammed bin Salman diese Allianz nicht gern.

Da Hariris Baukonzern hoch verschuldet ist, gibt es Spekulationen, dass er erpressbar sei. Auch wird gemutmaßt, dass sein überraschender Rücktritt im Zusammenhang mit der Festnahme Dutzender Prinzen, Politiker und Geschäftsleute in Saudi-Arabien steht, denen Korruption vorgeworfen wird. Während die Presse von Spannungen berichtet, versichert Hariri aber, er habe ein „hervorragendes und privilegiertes Verhältnis“ zum saudischen Thronfolger.