E-Control - Rekord bei Lieferantenwechsel bis Ende September
Wien (APA) - In den ersten neun Monaten suchten sich deutlich mehr Österreicher einen neuen Energielieferanten. Bis Ende September wurden la...
Wien (APA) - In den ersten neun Monaten suchten sich deutlich mehr Österreicher einen neuen Energielieferanten. Bis Ende September wurden laut E-Control die höchsten Wechselraten seit Liberalisierungsbeginn und ein absoluter Rekord erreicht und damit der bisherige Höchstwert aus 2014 übertroffen. „Der Wettbewerb hat sich positiv entwickelt“, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Donnerstag.
Bis Ende September haben sich 263.000 Strom- und Gaskunden einen neuen Lieferanten gesucht, um 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund für den Wechsel ist, dass man Geld sparen kann. Das Sparpotenzial ist derzeit am höchsten seit Beginn der Liberalisierung zu Anfang des Jahrtausends. Die Einführung der digitalen Stromzähler (Smart Meter) geht langsam voran.
Wechselzahlen seien aber nicht das Einzige, „es geht auch um andere Indikatoren, die den Markt beschreiben“, so Urbantschitsch heute bei einer Pressekonferenz zur Präsentation des Marktberichts 2017. Es gebe eine größere Auswahl an Produkten, „wir haben abermals neue Lieferanten dazubekommen - hier ist die Rate nicht so hoch angestiegen wie in den Jahren zuvor -, wir haben ein Einsparungspotenzial, das sich beim Wechsel erhöht hat, und wir haben auch Preissenkungen erkennen können im Jahr 2017. Es tut sich etwas auf dem österreichischen Energiemarkt.“
Insgesamt habe die Angebotsvielfalt zugenommen und damit die Produktvielfalt, so Urbantschitsch. An Unterscheidungsmerkmalen gibt es etwa Online- und Offline, Bindungsfristen, Zertifizierung des Stroms, Vergünstigungen für Wärmepumpenbetreiber oder auch Kooperationen mit anderen Branchen wie dem Mobilfunkbereich. Zudem kommen immer mehr digitale Services auf den Markt. Neben Onlineaktivitäten haben auch Haustürgeschäfte wieder zugenommen, die von der E-Control genau beobachtet werden. Verwiesen wurde heute auf die Schlichtungsstelle, von der pro Jahr rund 1.500 Anfragen beantwortet werden.
Mehr als 202.000 Stromkunden haben bis September den Lieferanten gewechselt, davon mehr als 162.000 Haushalte. Zum Vergleich: Die Stadt Linz hat rund 204.000 Einwohner. Einen neuen Gaslieferanten suchten sich knapp 61.000 Kunden, davon mehr als 56.000 Haushalte. Die Gesamtwechselrate von Unternehmen und Haushalten betrug 3,3 Prozent bei Strom und 4,5 Prozent bei Gas. Auf vergleichbarer Basis liege Österreich im europäischen Mittelfeld, hieß es heute.
Nach Bundesländern betrachtet gab es bis September die höchsten Wechselraten in Oberösterreich mit 4,8 Prozent bei Strom und 6,9 Prozent bei Gas, die geringsten in Vorarlberg mit 1,2 Prozent bei Strom und 1,5 Prozent bei Gas. In absoluten Zahlen am häufigsten gewechselt wurde am größten Markt Wien, wo 88.000 Kunden den Strom- und Gaslieferanten wechselten, die Wechselraten lagen bei 3,9 Prozent (Strom) und 4,4 Prozent (Gas).
Das höchste Einsparpotenzial bei einem Wechsel vom angestammten Lieferanten zum günstigsten Anbieter liegt laut E-Control derzeit für einen Durchschnittshaushalt bei Strom in Linz und Oberösterreich mit 330 Euro im Jahr (inklusive Wechselrabatt im ersten Jahr), bei Gas in Klagenfurt mit rund 650 Euro im Jahr (inklusive Neukundenrabatt). Das sind die höchsten Einsparungen seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 2001 und des Gasmarktes im Jahr 2002. Ohne Wechselrabatte liege das Sparpotenzial bei Strom zwischen 90 und 200 Euro im Jahr.
Die Strom- und Gasrechnung besteht aus drei Komponenten: Dem reinen Energiepreis - nur hier wirkt sich ein Lieferantenwechsel aus -, den standortabhängigen Netzkosten sowie den Steuern und Abgaben.
Für jene, die mit Gas heizen, erwartet E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer für heuer keine Nachzahlungen, selbst wenn es wieder ein strenger Winter werden sollte. Die Gaspreise werden eher weiter sinken. Im kalten Winter 2016/17 kam es trotz niedrigerer Gaspreise wegen höherer Mengen vielfach zu Nachzahlungen, dieser Mengeneffekt dürfte heuer wegfallen. Insgesamt lagen die Gaskosten im österreichweiten Schnitt für einen Durchschnittshaushalt (Jahresverbrauch 15.000 kWh) im Jänner 2017 mit 1.079 Euro um 33 Euro niedriger als im Jänner 2016, die Stromkosten (Jahresverbrauch 3.500 kWh) mit 735 Euro um 27 Euro niedriger. Auch in der Industrie habe sich der Rückgang der Strompreise 2016 fortgesetzt.
Die Strompreise könnten allerdings etwas steigen - neben höheren Großhandelspreisen werden sich wohl auch die Kosten für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit bei den Kunden über die Netzkosten bei den Konsumenten irgendwann einmal auswirken, erwartet die E-Control. Durch die Trennung der Strompreiszone zwischen Österreich und Deutschland sei wohl mit einem moderaten Anstieg der Großhandelspreise zu rechnen, nicht mit einem sprunghaften.
Die Smart-Meter-Einführung geht langsam voran. Ende 2016 waren von den 6,099.000 betroffenen Zählpunkten in Haushalten, Klein- und Mittelgewerbe sowie Landwirtschaft 519.000 mit einem intelligenten Messgerät ausgestattet, das ist ein österreichweiter Abdeckungsgrad von 8,5 Prozent. Ende 2015 hatte der Ausrollungsgrad 7,4 Prozent betragen. Die bis Ende des laufenden Jahres 2017 angepeilten 70 Prozent seien sicher nicht zu schaffen, meinen Experten. Man müsse sehen, wie es weitergehe, so Urbantschitsch. Eine Option wäre, die Verordnung anzupassen.
Versorgungssicherheit bleibe auch künftig eines der Top-Themen der E-Control, hieß es heute. Im Winter 2017 sei der energetische Bedarf aus heimischen Quellen inklusive aller kalorischen Kraftwerke nicht zu decken gewesen. Mit den bestehenden Pumpspeicherkraftwerken komme man keine drei Wochen durch. In einem ersten Schritt sei zu vereinbaren, wie lange ein hochindustrialisiertes Land stabil sei, so Eigenbauer.
Die Zahl der Stromlieferanten beträgt aktuell 152, sie beliefern zusammen 4 Millionen Haushalte und mehr als 660.000 Gewerbebetriebe und Industriekunden. Am Gasmarkt gibt es 42 Anbieter, die 1,3 Millionen Haushalte und knapp 80.000 Nicht-Haushalte belieferten. Heuer kam jeweils ein neuer Strom- und Gasanbieter auf den Markt.
Der Strom-Branchenverband Oesterreichs Energie sieht den Marktbericht als konkreten Beleg für die starke Konkurrenz und den gut funktionierenden Markt im liberalisierten Sektor der E-Wirtschaft. Die Strompreise für Haushaltskunden seien seit sieben Jahren praktisch stabil, während die allgemeine Inflationsrate im Schnitt der vergangenen Jahre knapp 2 Prozent erreicht habe, hieß es heute in einer Aussendung. Strom sei somit in relativen Zahlen sogar billiger geworden und habe inflationsdämpfend gewirkt.
~ WEB http://www.e-control.at ~ APA334 2017-11-16/14:07