Hypo-Prozess - Angeklagte erstaunt über Erinnerungslücken der Zeugen
Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Prozess zur Causa „Hilltop“ haben sich am Donnerstag die beiden angeklagten Ex-Vorstände Wolfgang Kulterer und Gü...
Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Prozess zur Causa „Hilltop“ haben sich am Donnerstag die beiden angeklagten Ex-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger „sehr erstaunt“ über die Aussagen und Erinnerungslücken ehemaliger Hypo-Mitarbeiter im Zeugenstand gezeigt. Gemeinsam mit den beiden Bankern der Untreue angeklagt sind im Zusammenhang mit einer Immobilien-Transaktion im Jahr 2003 drei kroatische Geschäftsleute.
Striedinger sagte, es sei fragwürdig, dass Mitarbeiter, die direkt mit der Bearbeitung der Fälle beschäftigt waren, kein Erinnerungsvermögen zeigten, während sie als Vorstände, die nur minutenweise damit beschäftigt waren, mehr dazu beitragen konnten. Und Kulterer stellte zu dem „Demenzanfall von verschiedenen Mitarbeitern“ ergänzend fest, dass „niemand, der hier im Zeugenstand war, ein Jahresgehalt von weniger als 100.000 Euro hatte“. In höheren Positionen seien sogar 200.000 Euro plus Prämien gezahlt worden. Das waren also „nicht irgendwelche Mitarbeiter, sondern hochbezahlte Spitzenleute“. Daher sei es schon erstaunlich, wie hier ausgesagt worden sei. Er räumte jedoch ein, dass in den polizeilichen Ermittlungen in den Jahren 2010 und 2011 viele Mitarbeiter Probleme hatten, freimütig auszusagen, „weil jeder um seinen Job zitterte und Angst vor persönlicher Verfolgung hatte“.
Ein Areal von 1,4 Millionen Quadratmetern auf der Insel Pag hat die Hypo Consultants Liechtenstein von der liechtensteinischen Gesellschaft „Hilltop“, deren wirtschaftlich Berechtigte die drei Kroaten laut Unterlagen waren, um 37 Mio. Euro gekauft. Diese hatten das Grundstück zuvor um 4,5 Mio. Euro von der Gemeinde Pag erworben. Die Finanzierung lief über die Hypo Liechtenstein. Der damalige Direktor dieser Zweigstelle konnte sich an den Fall nicht erinnern. „Das war 2003, das liegt zu lange zurück“, sagte er am Donnerstag via Videokonferenz.
Ein weiterer Zeuge, zum fraglichen Zeitpunkt Geschäftsführer der Hypo Consultants, sagte in der Befragung durch die Vorsitzende des Schöffensenats, Lisa Kuschinsky, er sei in die Abwicklung der Transaktion nicht involviert gewesen, aber dieser Fall „ist nicht spurlos an mir vorübergegangen“. Auf Fragen des Verteidigers Norbert Wess bestätigte der Zeuge, dass ein Immobiliendeal wie „Hilltop“ kein Einzelfall gewesen sei und dass man mit ähnlichen Transaktionen auch gute Geschäfte gemacht habe. Den Preis von 37 Mio. Euro für dieses Grundstück bezeichnete er als vertretbar.
Einen der angeklagten Kroaten, der in seiner Einvernahme erklärt hatte, nichts mit dem Deal zu tun gehabt zu haben, bezeichnete der Zeuge als „maßgeblich in die Vermittlung der Liegenschaft eingebunden“. Er ist seiner Ansicht nach der ominöse „Mr. P“, der in den Unterlagen vorkommt. Dieser sei damals ein hochrangiger kroatischer Politiker gewesen und habe eine wesentliche Rolle bei den Verhandlungen in der Bank gespielt, sagte der Zeuge. Er räumte aber ein, selbst bei keinem dieser Gespräche dabei gewesen zu sein.
Über die Identität dieses „Mr. P“ hatte es unterschiedliche Einschätzungen der Zeugen gegeben, ob es sich um den Angeklagten oder dessen Bruder, der Eigentümer eines kroatischen Unternehmens und somit Kunde der Hypo war, gehandelt habe.
Die Hauptverhandlung wurde für weitere Zeugenbefragungen auf 23. November vertagt.
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