Zwischen Politik und Liebe: „Literatur im Herbst“ und Fried-Tage

Wien (APA) - Zwei sehr unterschiedliche Festivals wenden sich in den kommenden Tagen an die Freunde des geschriebenen Worts: Bereits am Sonn...

Wien (APA) - Zwei sehr unterschiedliche Festivals wenden sich in den kommenden Tagen an die Freunde des geschriebenen Worts: Bereits am Sonntag hebt „Literatur im Herbst“ mit einem „Auftakt“ zum Thema „Macht, Widerstand, Chaos & Computer an“, bevor das eigentliche Festival von 24. bis 26. November u.a. den Theatermacher Milo Rau nach Wien bringt. Am 28. November starten die Erich-Fried-Tage 2017.

Unter dem Titel „Dialektik der Befreiung“ befasst sich das von der Alten Schmiede organisierte Festival „Literatur im Herbst“ von mit Themen wie Freiheit und Kontrolle, Ausbeutungsmechanismen im digitalisierten Kapitalismus oder Populismus und neuer Faschismus. Den Auftakt macht bereits am Sonntag die Diskussion „Macht, Widerstand, Chaos & Computer“ in der Roten Bar des Volkstheaters, wo Ilja Trojanow als Gäste die deutsche Informatikerin Constanze Kurz und das ehemalige RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo erwartet. Am Mittwoch (22.11.) folgt ein „Vorspiel“ im Sigmund Freud Museum mit der Buchpräsentation des Bands „Dialektik der Befreiung“, danach folgt ein Gespräch mit dem Psychiater Rainer Danzinger und dem Soziologen Philipp Katsinas, bevor schließlich am Freitag (19 Uhr) die eigentliche Eröffnung im Odeon-Theater über die Bühne geht.

Den Eröffnungsvortrag hält der deutsche Theatermacher Milo Rau zur „Rückeroberung der Zukunft“. Darin zeichnet er laut Ankündigung „ein unbequemes Porträt unserer Zeit, entwirft aber auch Exit-Strategien aus grassierendem Alarmismus und falscher Moral“. Ausgangspunkt für den heurigen Titel des Festivals bildet der 1967 abgehaltene gleichnamige Kongress der Antipsychiater Ronald D. Laing und David Cooper. Und so geht es am Samstag nach einer Filmdokumentation über Herbert Marcuse im Odeon mit „Kanzelreden“ weiter: Isabell Lorey, Professorin für politische Theorie, und der Philosoph Thomas Seibert diskutieren über die „Regierung der Prekären und Ökologie der Existenz“, im Anschluss liest der italienische Autor Maurizio Torchio aus seinem Roman „Das angehaltene Leben“, in dem „sich Haft und Gefängnis zu einer Metapher menschlichen Seins verdichten“.

Der Sonntag (26.11.) bringt unter anderem Raoul Pecks Filmdoku „I Am Not Your Negro“ über Rassismus in den USA (10 Uhr im Metro Kinokulturhaus) und ein Werkstattgespräch in der Alten Schmiede, bei der Paul Lendvai, der bulgarische Politologe Ivan Krastev und der amerikanische Philosoph Aspen Brinton die „Dialektik der Unfreiheit in Osteuropa“ diskutieren. Nach weiteren Kanzelreden präsentiert u.a. Nora Bossong abends ihren Roman „36,9 Grad“, in dem sie über den italienischen Kommunisten Antonio Gramsci und einen deutschen Gramsci-Forscher berichtet.

Dieser Art in Festivalstimmung versetzt, geht es thematisch allerdings völlig anders am 28. November mit dem Auftakt der Erich-Fried-Tage 2017 weiter. Eröffnet wird das internationale Literaturfestival unter dem Titel „Ach! Reden über die Liebe“ von der britischen Autorin Jeanette Winterson, deren autobiografisch geprägter Debütroman „Oranges are Not the Only Fruit (1985) über das Aufwachsen bei einer fanatisch religiösen Adoptivfamilie den literarischen Durchbruch gebracht hat. Am Mittwoch steht der Dokumentarfilm „Das Greenaway Alphabet“ der Multimediakünstlerin Saskia Boddeke auf dem Programm. Der Film stellt laut Ankündigung „sowohl die spielerischen als auch die schmerzlichen Gespräche zwischen Ausnahmekünstler Peter Greenaway und seiner 16-jährigen Tochter Zoë ins Zentrum und zeichnet auf diesem Weg ein zutiefst persönlichen Porträt“. Im Anschluss zeigt das Filmcasino Greenaways Spielfilm „Goltzius & The Pelican Company“.

Richtig los mit der Literatur geht es dann erst am Donnerstag (30. November): Der Schwerpunkt „Prosa und Essay“ versammelt Buchpräsentationen von u.a. Peter von Matt, der den Band „Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur“ vorstellt, es folgt u.a. Hanif Kureishi, der mit „Love + Hate. Stories and Essays“ und „The Nothing“ gleich zwei Bücher präsentiert. Der Freitag ist der Lyrik gewidmet und wartet mit Lesungen von u.a. Sylvia Geist, Judith Nika Pfeifer, Oswald Egger, Friederike Mayröcker und Büchnerpreisträger Jan Wagner auf.

Fans von Graphic Novels freuen sich auf den Samstag, wo u.a. „The Sculptor“ von Scott McCloud oder „Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein“ von Ulli Lust auf dem Programm stehen. Den Abschluss macht am Sonntag die Verleihung des mit 15.000 Euro dotierten Erich Fried Preises 2017 an Teresa Präauer. Für Juror Franz Schuh ist sie“eine Autorin, die mir geholfen hat, ein Phänomen (genauer: die Darstellung eines Phänomens) besser zu verstehen. Es ist das Phänomen der (bildenden) Kunst“, hieß es bei der Bekanntgabe.

(S E R V I C E - „Literatur im Herbst“, 24. bis 26. November, http://www.alte-schmiede.at/festivals/literatur-im-herbst/; Erich Fried Tage 2017, 28. November bis 3. Dezember, https://erichfriedtage.com/)