Mailand träumt vom EMA-Sitz und weiht großen Medizin-Campus ein

Rom/London (APA) - Im Duell um den neuen Sitz der EU-Arzneimittelagentur (EMA), um den sich auch Wien bewirbt, zählt Mailand zu den Favorite...

Rom/London (APA) - Im Duell um den neuen Sitz der EU-Arzneimittelagentur (EMA), um den sich auch Wien bewirbt, zählt Mailand zu den Favoriten. Der italienische Premier Paolo Gentiloni rührt seit Monaten unermüdlich die Werbetrommel: Für die lombardische Hauptstadt wäre ein Sieg im Rennen um den EMA-Standort die Krönung einer Renaissance, die 2015 mit der Expo begonnen hat.

Im ewigen Städteduell mit dem Rivalen Rom geht Mailand als klare Siegerin hervor. Mode, Design, Finanz und Tourismus beflügeln die Stadt, die zwei Jahre nach dem Ende der Expo weiterhin einen Touristenboom feiert. Während Rom mit chronischen Schwierigkeiten wie einem veralteten Nahverkehrssystem, mit Müllentsorgungsproblemen und Korruption konfrontiert ist, hat sich Mailand als Weltstadt mit Glamour und Lebensqualität herausgeputzt und ist zum Magneten für Architekten, VIPs und Stardesigner aus der ganzen Welt aufgerückt.

Dass die 1,3 Millionen-Stadt viel zu bieten hat, weiß auch Scala-Intendant Alexander Pereira, der 2014 in die lombardische Metropole gezogen ist. Er zählt zu den gewichtigen „Testimonials“ für die Übersiedlung der EU-Arzneimittelagentur nach Mailand. Bei einer Veranstaltung in Brüssel zur Präsentation des Standortes Mailand hob er zuletzt die Lebensqualität der lombardischen Hauptstadt hervor. „Mailand ist eine großartige Stadt. Sie ist unglaublich innovativ und die Lebensqualität ist fantastisch. Mailand ist ein außerordentliches Kulturzentrum für Kunst, Musik, Mode und Medien. Als österreichischer Bürger kann ich aus ganzem Herzen sagen, ich wäre glücklich, wenn die EMA nach Mailand übersiedeln würde“, so Pereira.

Die italienische Regierung legt sich stark für die EMA ins Zeug und übt großen Druck auf Brüssel aus, um den Sitz der angesehenen Behörde nach Mailand zu bringen. Politisch betrachtet das Kabinett die Verlegung der EU-Arzneimittelagentur als Belohnung und Anerkennung für Italiens großes Engagement in der Flüchtlingsproblematik. Vor allem angesichts der bevorstehenden Parlamentswahlen im Frühjahr wäre für die Regierung von Paolo Gentiloni und seiner Demokratischen Partei (PD) ein Sieg im Duell um die EMA ein Trumpf in der Hand. Die PD um Ex-Regierungschef Matteo Renzi zieht mit sinkenden Umfragewerten ins Wahlduell. Mit einem sehr Europa-treuen Programm will sich die Partei bei der Wählerschaft als Bollwerk gegen Populismus und Rechtsextremismus profilieren.

Der Sieg im Rennen um die EMA würde für Mailand - historisch Finanzhauptstadt und Wirtschaftsmotor Italiens - hunderte prestigereiche Jobs und einen regen Geschäftsreiseverkehr mit zehntausenden Hotelübernachtungen pro Jahr bedeuten. Für die Arzneimittelaufsicht arbeiten fast 900 Menschen. Rund 36.000 Fachleute zieht die Behörde jedes Jahr mit ihren Veranstaltungen an - ein Segen für Hotels und Gastronomie. Die EMA-Verlegung würde für die Finanzmetropole und den Börsensitz wie ein Sonder-Konjunkturprogramm wirken, was sich auf das Wachstum in ganz Italien positiv auswirken würde.

Mailand bietet als neuen Sitz der Behörde das 1958 gebaute Pirelli-Hochhaus an, eines der Wahrzeichen der Stadt. Die lombardische Metropole sei wegen ihrer zentralen Lage, guten Verkehrsverbindungen und des technologischen Know-hows eine der wichtigsten europäischen Städte und „der ideale Standort“ für die EMA, meint der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala. In der Lombardei seien auch viele namhafte Pharmakonzerne etabliert. Auf dem Gelände der ehemaligen Expo wird zurzeit das Projekt „Human Technopole“ mit einer garantierten Finanzierung von insgesamt 2,5 Mrd. Euro umgesetzt. Auf rund 70.000 Quadratmetern werden sieben Forschungszentren errichtet, in denen 1.500 nationale und internationale Wissenschafter und Forscher arbeiten sollen. Der Fokus liegt auf Krebsforschung, neurokognitiven Störungen sowie Ernährungswissenschaften.

Ein weiteres Musterobjekt ist der am Dienstag eingeweihte Campus der „Humanitas University“, eine italienische Privatuniversität, die sich vollständig auf die praktische Ausbildung internationaler Fachkräfte im Bereich Medizin spezialisiert hat. Aktuell sind dort 700 Studierende immatrikuliert, 100 Plätze pro Jahr werden im italienisch- und englischsprachigen Medizinstudium vergeben. Im Beisein des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella wurde der 25.000 Quadratmeter umfassende Campus mit drei Gebäuden eingeweiht, in dem 1.200 Studenten aus 31 Ländern, Forscher und Professoren untergebracht werden sollen. Der Campus ist ein weiteres Vorzeigemodell, mit dem Mailand im Rennen um die EMA zu punkten hofft.