Krems: Europäische Literaturtage starten mit Diskurs zum Klimawandel

Krems/Spitz a.d. Donau (APA) - Die 9. Europäischen Literaturtage sind am Donnerstagabend in Krems mit einem Podiumsgespräch zwischen dem zul...

Krems/Spitz a.d. Donau (APA) - Die 9. Europäischen Literaturtage sind am Donnerstagabend in Krems mit einem Podiumsgespräch zwischen dem zuletzt mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Schriftsteller Robert Menasse und dem Historiker, Autor und Philosophen Philipp Blom eröffnet worden. Bis 19. November wird die Veranstaltung mit internationalen Teilnehmern in Spitz fortgesetzt. Das diesjährige Thema lautet „Angst überall“.

Mit Literatur hatte der Eröffnungsabend im Klangraum Krems Minoritenkirche nur am Rande zu tun, mit Angst sehr wohl: „Die Welt aus den Angeln“ bezieht sich auf einen Buchtitel von Blom, der anhand der „kleinen Eiszeit“ im 17. Jahrhundert untersucht hat, wie der Klimawandel Europa veränderte. Dass die gegenwärtige Erderwärmung ebenfalls dramatische Folgen nach sich ziehen wird, ist eine logische Schlussfolgerung.

Wie viel Zeit noch bleibt, um „Veränderungen zu gestalten und nicht nur zu erleiden“ (Blom), blieb ebenso offen wie die Antwort auf Menasses Frage, was zu tun ist, wenn sich Millionen Menschen auf die Flucht vor einer Dürre machen. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine Lösung, aber offenbar aktuelle Praxis. Blom sprach in diesem Zusammenhang von „Gesellschaften, die keine Zukunft wollen“, von der „Falle der Normalität“, wonach alles so bleiben solle, wie es ist, und von einer Mentalität des „Hyperkonsums“ von Produkten, die unerfüllte Träume symbolisieren und Identität vortäuschen.

Leise Kritik zwar ließ Menasse an Bloms „Predigerton“ anklingen, doch in wesentlichen Punkten waren sich beide Gesprächspartner offenbar einig. Schon Walter Grond - Gründer, Leiter und Mastermind der Literaturtage - hatte in seiner Begrüßung eine „neue Aufklärung“ ersehnt, in der sich Vernunft und Empathie verbinden. Auch Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) wandte sich in ihren Eröffnungsworten klar gegen jegliche Strategien, aus vagen Ängsten der Menschen politisches Kalkül zu ziehen, und setzte auf den „differenzierenden Blick“.

Diese Differenzierungen werden wohl in den kommenden Tagen erfolgen, wenn u.a. Elisabeth Asbrink und Sergej Lebedew zeitgeschichtliche Entwicklungen reflektieren, Gila Lustiger und Karim Miské über den Terror nachdenken, Ales Steger und Andrzej Stasiuk den geografischen Bogen von Fukushima in die Wüste Gobi spannen oder Jaroslav Rudis und Leif Randt von designten Gefühlen und verlassenen Welten berichten. Ein Workshop der Forschungsinitiative E-READ („Wie funktioniert Lesen?“) steht ebenso am Programm wie eine literarisch-kulinarische Soiree und eine Ausstellung mit Graphic Novels.

(S E R V I C E - Europäische Literaturtage, bis 19. November, Spitz an der Donau. Information, Detailprogramm, Anmeldung und Tickets: www.literaturhauseuropa.eu)