„Kastanien gibt es auch in China, aber was sind Kiachl?“
Bei Sonnenschein, aber kühlen Temperaturen sind Innsbrucks Christkindlmärkte wieder ein Magnet. Die Standler müssen sich warm anziehen, die Besucher sollten das auch.
Von Alexandra Plank
Innsbruck — Eigentlich müssten Temperaturen knapp über null dazu animieren, dass die Menschen am Christkindlmarkt zu Glühwein und Kastanien greifen. Der Maroni-Mann kann aber keinen Vorteil erkennen: „Schauen Sie sich die Leute an, wie die angezogen sind. Wintergewand kennt heute fast keiner mehr. Die laufen mit den Halbschuhen herum und sind weg, bevor sie etwas gekauft haben."
Vier Frauen aus Rosenheim sind indes gut eingepackt, sie haben vor, den ganzen Nachmittag über zu bleiben. Verena verrät den Plan der Gruppe, die jedes Jahr in der Adventzeit nach Innsbruck kommt: „Shoppen, Glühwein trinken und durchnaschen." Ob das alkoholische Heißgebräu jenem zuhause überlegen sei: „Oh mei", sagt die junge Bayerin, „da sag' ich lieber nichts, da sind sie daheim empfindlich."
Zwei Chinesinnen tun indes das, was Asiaten halt so tun: Sie machen Selfies von sich und den Lebkuchenherzen mit Zuckerschrift. Eine hält einen Stanitzel mit Kastanien in den Händen. Ob sie das auch von zuhause kenne? „Ja, das gibt es bei uns auch", sagt die Chinesin begeistert. Was aber diese Kiachl seien, die es an dem Stand gebe, an dem die Menschen Schlange stehen, will sie wissen. Greta Gallmetzer weiht uns indes in ihre kältefitte Standlbekleidung ein. „Skiunterwäsche ist ein Muss, und natürlich viele Schichten und gute Socken und Schuhe."
Mit Kälte hat Weihnachtsmann Karl in seinem dicken roten Mantel kein Problem. Heuer feiert er sein 25-Jahr-Jubiläum am Innsbrucker Christkindlmarkt. Seinen Schmäh hat er sich erhalten: „Ich bin die Claudia Schiffer vom Christkindlmarkt", erklärt er, weil Kinder und Erwachsene bei ihm für ein Foto Schlange stehen. Ein Selfie mit dem Weihnachtsmann finden sogar zwei Skater cool.
Am Marktplatz steht indes die kleine Lisa vor dem Karussell und überlegt, ob sie im Auto mitfahren will oder lieber auf einem Tier reiten. Mit dem Finger in der Nase kommt die Erkenntnis: „Das dicke Pferd." Die Mutter ist ratlos, doch das Kind erklimmt das buntbemalte Pferd und grinst breit.