Wenn das Herz die Lieder schreibt
Helga Brenninger etabliert sich mit ihrem zweiten Album „Frei“ endgültig in der Oberliga der bayerischen Liedermacherinnen.
Von Hubert Trenkwalder
München –Sie wirkt nicht nur herzlich, auch ihre Musik kommt aus dem Herzen. Markant-klare Stimme, unverfälschtes Auftreten und ein großartiges Gefühl für geradlinige Kompositionen, lebendige Texte und klare Melodien: Das sind die Markenzeichen von Helga Brenninger, der sympathischen Liedermacherin aus dem beschaulichen bayrischen Örtchen Dorfen.
„Ich wollte einfach immer Songs schreiben und aufnehmen, die sich absolut ehrlich anfühlen und zu 100 Prozent meinem Wesen entsprechen“, meint das sympathische Mädel im Interview. Das ist ihr bereits mit ihrem Debütalbum „Mitten im Lebn“ gelungen und zwar so überzeugend, dass Bayern 2- und Heimatsound-Ikone Dagmar Golle die Künstlerin mit zahlreichen Radio-Einsätzen der Songs unterstützte und die „Bayernwelle“ die CD im Januar 2017 zum „Album der Woche“ gewählt hat.
Mit dem jetzigen, erneut bayrisch gesungenen Album „Frei“ präsentiert die Senkrechtstarterin einen mehr als würdigen Nachfolger, der viel gute Laune versprüht und neben gekonntem Singer-/Songwriting interessante Ausflüge in Richtung Blues und Jazz macht. Eine Kollektion mit elf handgemachten Songs – variantenreich und von überraschender Stilvielfalt.
„Ich bin von Natur aus sehr neugierig und weltoffen“, beschreibt sich Helga Brenninger selbst, „und ich möchte mit eigenen Liedern meine Geschichten in musikalischer Form weitergeben und dabei auch die Liebe zu mir selbst und anderen Menschen ausleben.“ Auf ihre Mundart würde die Künstlerin nie und nimmer verzichten mögen. „Meine Texte sind auf Bayrisch, in meiner Herzenssprache, geschrieben und lassen den Zuhörer an meinem Lebensgefühl teilhaben.“
Und so entstehen Geschichten, mit denen sich viele Menschen identifizieren können. Das gutlaunige „I glaub i fliag“ zeugt von Brenningers Leichtigkeit, im Leben wie in der Musik. Aber sie kann auch anders: Bei „de Andern“ möchte man nicht unbedingt derjenige sein, dem der Spiegel der mangelnden Fähigkeit zur Selbstkritik vorgehalten wird.
Weiter geht es mit Geschichten über das Leben, die uns nicht unfremd sind, wenn Helga Brenninger umgehend wieder mit fröhlichen Themen um die Ecke kommt („Wunder“, „Weit, weit naus“). Bemerkenswert ist auf jeden Fall ihre hör- und spürbare Langeweile bei „So fad“, ohne gekünstelt oder aufgesetzt zu wirken. Aber egal in welche Richtung die einzelnen Songs gehen: Die Arrangements, die sie mit ihrer Band gewählt hat, sind zurückhaltend und transparent, unterstützen die Intensität der Kompositionen.
Helga Brenninger – eine unverwechselbare Künstlerin, die ihre Musik mit sympathischer Offenheit lebt und deren Leben Musik ist. (hubs)