Menschen aus der Nähe

Drei Berufe, eine Berufung: Heimkehr nach 18 Jahren

© Miriam Raneburger

Chryselda Pedarnig stammt aus einer musikalischen Großfamilie. Und fand über Tontechnik und Wetterkunde in Wien zu ihrer Berufung in Lienz.

Von Catharina Oblasser

Lienz, Wien –Einen Mangel an Talenten kann man Chryselda Pedarnig wahrlich nicht nachsagen. Sie spielt Violine, Viola, Klavier und singt, hat ein überdurchschnittliches Gehör, meistert höhere Mathematik und kann gut mit sich alleine sein. Nach 18 Jahren in Wien ist die 37-Jährige nach Osttirol zurückgekehrt und arbeitet nun in einem Beruf, der mit ihren früheren Studien rein gar nichts zu tun hat: als Mental- und Meditations­trainerin.

Doch der Reihe nach: Geboren wurde Chryselda 1979 als jüngstes von vier Kindern in Lienz. Sie kann von sich behaupten, zugleich mit ihrem Vater Siegfried in die Volksschule gekommen zu sein: der Vater als neuer Direktor, die Tochter als Taferlklasslerin. Die Pedarnigs gelten in Osttirol und darüber hinaus als große Musikerfamilie. So sind Chryseldas Onkel Florian und Josef jene Männer, die mit der inoffiziellen Landeshymne „Dem Land Tirol die Treue“ berühmt wurden.

Die Nichte lernte Blockflöte, Geige, Klavier. Und entwickelte eine tiefe Liebe zur Musik. „Gespielt habe ich immer gerne“, sagt Chryselda Pedarnig heute. „Geübt aber leider nicht. Deshalb war eine Karriere als Berufsmusikerin für mich keine Wahl.“ Nach der Matura am BORG Lienz bewarb sie sich 1998 für das Studium der Tontechnik in Wien. „Das gab es damals nur fünfmal in Europa, und pro Jahr wurden zehn Bewerber aufgenommen“, erinnert sich Pedarnig. „Ich saß bei der Aufnahmeprüfung unter 100 Leuten, die teils schon ein fertiges Musikstudium vorweisen konnten. Geschafft habe ich es trotzdem.“ Gefragt war vor allem ein extrem feines Gehör. „Wir mussten zum Beispiel das Geräusch einer Person analysieren, die über eine Stiege geht. Geht sie hinunter oder hinauf? Ist es ein Mann oder eine Frau? Welche Beschaffenheit hat die Stiege? Solche Fragen musste man beantworten.“ Bald fand Pedarnig eine Stelle als Tontechnikerin bei einer Wiener Firma. Ihre Hauptaufgabe: technisch schlechte Audioaufnahmen zu restaurieren. „Einmal bekam ich eine alte Falco-Liveaufnahme in sehr schlechter Qualität. Ich hab­e sie so bearbeitet, dass sie dann auf einer DVD veröffentlicht werden konnte, die nach Falcos Tod erschien.“

Viel Analyse, wenig Gefühl: Das bewog Chryselda Pedarnig schließlich dazu, auf Meteorologie, also Wetterkunde, umzusatteln. „Das Wetter hat mich immer interessiert“, meint sie. Auch dieses Studium war kein Honiglecken: „Die ersten zwei Jahre ging es nur um höhere Mathematik. Da hieß es zum Beispiel bei einer Prüfung: ,Beweisen Sie, dass acht eine Zahl ist.‘ Es war wie eine völlig fremde Sprache.“ Ab 2011 arbeitete die Osttirolerin fünf Jahre lang an Wetterberichten, vorwiegend für Medien und Veranstaltungen. „In dieser Branche wurde aber mehr und mehr von Computern erledigt. 2016 habe ich mich entschlossen, ganz neu anzufangen“, erzählt Pedarnig.

Sie machte 2016 eine Ausbildung zur Mental- und Meditationstrainerin und zog zurück nach Lienz. „18 Jahre in Wien sind genug. Es war mir inzwischen zu laut, zu schnell, zu viel. Ich liebe die Natur und kann das Alleinsein oft sehr genießen“, beschreibt Pedarnig ihre Gründe. Unter anderem berät sie Menschen, die einen Neuanfang wagen wollen. Wie das geht, weiß sie ja aus eigener Erfahrung.

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Catharina Oblasser

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