Jugendwort 2017

Jugendwort „I bims“: Vong wo kommst du eigentlich her?

„Fly sein“ hat seinen Nachfolger gefunden: „I bims“.
© iStock / TT

Erst Tirol, jetzt Deutschland, bald ganz Österreich? Wieder wurde „I bims“ zum beliebtesten Begriff unter Jugendlichen gewählt. Aber wo kommt die Wortschöpfung eigentlich her? Was bedeutet sie? Eine Spurensuche.

Von Tamara Stocker

Innsbruck/München — Ich denke, also bims i. Wahrscheinlich würde sich der französische Philosoph René Descartes im Grab umdrehen, ob der Entwicklung der deutschen Sprache. Doch im Zeitalter des Internets führen nur wenige Wege an „I bims" vorbei. Vor allem bei der Generation U20 ist der Begriff populär.

Darum verwundert die Entscheidung des Langenscheidt-Verlags wohl nicht, „I bims" zum deutschen Jugendwort des Jahres zu küren. Erst vor einer Woche war die Wortschöpfung auch zum Lieblingswort der Tiroler Jugendlichen gewählt worden, die TT berichtete. Und es steht auch zur Auswahl für das österreichische Jugendwort 2017 — hier fällt die Entscheidung am 7. Dezember.

Vom Spaß zum Trend

Dem Begriff kann keine tiefergehende Bedeutung zugeordnet werden — er bedeutet schlicht und einfach „Ich bin". Seinen Ursprung hat das Wort auf der Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder", die von dem 33-jährigen Sebastian Zawrel betrieben wird. Unter dem Kunstnamen Willy Nachdenklich postet er vermeintlich tiefschürfende Text-Bild-Kombos, die aber mit zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern gespickt sind. Absichtlich. Damit nimmt er einen der verbreitesten Internettrends aufs Korn.

Und wie so oft bei Internetphänomenen eher unerklärlich, wurde aus dem Spaß rasch ein Hype und mittlerweile ein Trend. Mehr als 360.000 Menschen folgen seiner Seite und übertreffen sich nicht selten selbst mit eigenen Wortneuschöpfungen, wie ein Blick in die Kommentarspalte zeigt. „Das sollte eigentlich ein Gag sein und bekam irgendwann eine Eigendynamik", sagt Willy Nachdenklich, der auch Lesungen in der Kunstsprache hält. Anfang November erschien sein erstes Buch: „1 gutes Buch vong Humor her: 18 Kunstgeschichten".

Napflixen? Geht unlügbar fit, du Teilzeittarzan!

Willy Nachdenklich schuf auch den Begriff „vong", woraus mittlerweile gar eine eigene Sprache — die sogenannte „Vong-Sprache" — resultierte. Auch hier ist die Erklärung simpel: „vong" bedeutet „von" und soll ebenfalls die Rechtschreibschwäche so manchen Internet-Nutzers auf die Schippe nehmen. Abgeschlossen wird ein „vong"-Satz immer mit dem Zusatz „her" — so ergeben sich Sätze wie „Was ist das für 1 Nacht, vong Schlaf her?". Und apropos 1: Auf der Spurensuche stößt man unweigerlich auch auf den österreichischen Rapper Money Boy, dem der Trend zugeschrieben wird, die Artikel „ein" und „eine" durch die Ziffer 1 zu ersetzen.

So standen heuer sowohl „vong" als auch „Was ist das für 1 Life" bei der Online-Abstimmung zum Jugendwort des Jahres zur Auswahl. In die Top Ten haben es die beiden Phrasen aber nicht geschafft, „I bims" rettete sich knapp auf den 10. Platz. Die Favoriten der Befragten waren „geht fit" als Bezeichnung für etwas, das klar geht und „napflixen" für ein Nickerchen während eines Films.

Wählerwille wird oft ignoriert

Rund eine Million Stimmen waren in diesem Jahr abgegeben worden — so viele wie noch nie. Dem Willen der Wähler beugte sich der Langenscheidt-Verlag, der die Jugendwort-Wahl vor zehn Jahren initiierte, aber nicht. So hievte die 20-köpfige Jury „I bims" auf Platz eins. Die Jury bestand in diesem Jahr aus Schülern, YouTubern, Bloggern und Sprachwissenschaftern.

Im vergangenen Jahr lag „isso" als Zustimmung oder Unterstreichung von etwas vorne. Die Jury entschied sich aber für „fly sein", einen Begriff aus der Hip-Hop-Szene, der so viel heißt wie: jemand oder etwas „geht besonders ab".

Mit „isso" und „geht fit" sprachen sich die Befragten in den vergangenen zwei Jahren für Wörter aus, die auch alltagstauglich sind. Viele Jugendwörter, die zur Auswahl stehen, sind nämlich nicht in aller Munde, sondern werden vermehrt in der digitalen Welt kommuniziert — oder sind selbst der Zielgruppe gänzlich unbekannt. Bei der Auswahl des Langenscheidt-Verlags wird häufig hinterfragt, ob die Beispiele und allem voran das Sieger-Wort wirklich dem Sprachgebrauch von Jugendlichen entsprechen. „Mit ,i bims' haben wir ein Wort gefunden, das wirklich bereits gesprochen wird", sagte ein Sprecher. Dem Vorwurf, so spreche niemand, habe man dieses Jahr etwas entgegensetzen können.

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