WKO: Enormes Potenzial für heimische Unternehmen im Nahen Osten
Wien (APA) - Für österreichische Unternehmen bietet sich ein enormes Potenzial im Nahen Osten. Das war der Tenor der Vertreter der Außenwirt...
Wien (APA) - Für österreichische Unternehmen bietet sich ein enormes Potenzial im Nahen Osten. Das war der Tenor der Vertreter der Außenwirtschaftscenter in Amman und Riad der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) am Freitag in Wien. Sie gaben jeweils einen Einblick in die wirtschaftliche Lage der Länder im Nahen Osten.
Jordanien gelte als „Fels in der Brandung“, sagte die österreichische Wirtschaftsdelegierte in Amman Isabel Schmiedbauer. Das Land sei seit Jahren politisch stabil und sicher. Aufgrund der Stabilität haben sich eine Reihe internationaler Institutionen im Land angesiedelt. Die Europäische Bank für Wiederaufbau (EBRD), die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die International Finance Corporation sowie verschiedene weitere Entwicklungsagenturen würden Programme direkt im Land umsetzen. Diese böten durch Ausschreibungen und Finanzierungsprojekt Einstiegsmöglichkeiten für österreichische Unternehmen, vor allem im Bereich Consulting, Energie und Wasserwirtschaft, erklärte Schmiedbauer.
Besonders der Dienstleistungssektor ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 36,4 Prozent auf 15 Mio. Euro gestiegen. Dabei wären Consulting und Umwelttechnologie von Bedeutung. Auch im Bereich Erneuerbare Energien, Gesundheit und Medizintechnik, Verteidigung im weitesten Sinne und Nahrungsmittel sieht das Außenwirtschaftscenter Amman Chancen für heimische Konzerne.
Seit Juli 2016 gibt es ein Abkommen zwischen der EU und Jordanien zur Vereinfachung der Ursprungsregeln für in Jordanien ansässigen Firmen. Demnach müssen jordanische Unternehmen eine geringere Wertschöpfung in Jordanien vorweisen um zollfrei in die EU exportieren zu können. Die Initiative fand bisher allerdings nur wenig Anklang. Bisher gibt es nur zwei jordanische Unternehmen die im Rahmen des Abkommens exportieren.
Allerdings sind die österreichischen Exporte nach Jordanien 2016 um 11,1 Prozent auf 58,1 Mio. Euro zurückgegangen. Dieser Trend setzte sich auch im ersten Halbjahr 2017 fort. Die heimischen Ausfuhren beliefen sich auf 22,6 Mio. Euro, was einem Rückgang von 19,1 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode entspricht. Die Importe aus Jordanien fielen 2016 um nur ein Prozent auf 6,5 Mio. Euro. Für die erste Hälfte diesen Jahres stehen 4,9 Mio. Euro zu Buche, was einem Anstieg von satten 90,7 Prozent aufweist.
Durch die Wiedereröffnung der Grenze zum Irak und Bemühungen auch die syrisch-jordanische Grenze erneut für den Handel freizugeben, kann mit einer Verbesserung der jordanischen Exporte gerechnet werden, erklärte die Wirtschaftsdelegierte. Aufgrund der Aktivität der Terrorgruppe IS war die wichtige Handelsroute geschlossen worden.
Davon profitiere auch der eng verbündete Staat Saudi Arabien. Der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Riad Kurt Altmann sehe dort „enormes Potenzial“ für heimische Unternehmen. Das Königreich wolle zunehmend staatliche Betriebe veräußern und dabei auch ausländische Privatinvestoren einbinden. Zunächst würde mit Flughäfen und Spitälern begonnen, erklärte er.
Das im April 2016 verkündete Programm „VISION 2030“ soll das Land in eine diversifizierte Wirtschaft umwandeln, welche bis jetzt hauptsächlich auf Erdöl basiert. Zuletzt hatten die schwachen Ölpreise das Staatsbudget belastet. Zudem plane man Sonderwirtschaftszonen mit eigenen Gesetzen und Steuern. Die genauen Regelungen zu den unabhängigen Wirtschaftszonen stecken noch in der Entwicklung, sagte der Wirtschaftsdelegierte.
Allerdings würden Ausländer seit Juli mit höhere Aufenthaltsgebühren für Familienangehörige konfrontiert. Zudem könne man nicht von schnellen Umsetzungen ausgehen, trotzdem böten sich insbesondere im Bereich alternative Energien, Lebensmittel, Infrastruktur, Umwelttechnik, Medizintechnik, Transport und Unterhaltungsbereich sehr gute Marktchancen.
Österreich exportierte 2016 mit 578,3 Mio. Euro um 17,2 Prozent weniger nach Saudi Arabien als 2015. Auch die Importe aus dem Königreich gingen um 34,8 Prozent zurück und lagen 2016 bei 176,9 Mio. Euro. Für die ersten sechs Monate 2017 gingen die Exporte um 33,3 auf 181,4 Mio. Euro und die Importe um 42,3 Prozent auf 35,4 Mio. Euro zurück.
Im Libanon könnten heimische Konzerne bei Müllentsorgung, Wasseraufbereitung und dem Abwasserbereich punkten, sagte Schmiedbauer. Seit dem Ende 2016 habe der Staat nun einen Präsidenten und seit heuer ein Kabinett sowie erstmals seit 2005 ein Budgetentwurf, was den Investoren eine gewisse Stabilität signalisiere. Der Privatsektor dort sei unabhängig von politischen Gegebenheiten sehr stark, erklärte Schmiedbauer.
In Syrien wurde der IS in großen Teilen zurückgedrängt. Aber es gebe immer noch „kleine Nester“ und die würde es auch weiterhin geben, erzählte die Wirtschaftsdelegierte. Aber die Regionen seien sehr unterschiedlich. So habe man an den Küstenregionen kaum Kampfhandlungen erlebt und dort gebe es auch ein „normales Wirtschaftsleben“. In Damaskus habe man sogar seit einigen Wochen schon 24 Stunden Strom, zuvor stand dieser nachts nicht zur Verfügung. In Syrien seien vor allem die Pharma- und Lebensmittelbranche interessant. Schließlich seien nicht alle Waren sanktioniert, erläuterte Schmiedbauer.
Der Irak sei für Markteinsteiger im Nahen Osten, laut dem Außenwirtschaftscenter Amman/Damaskus nicht geeignet. Unter Berücksichtigung der Sicherheitslage bieten die Sektoren Infrastruktur, Energiewirtschaft, Land- und Bauwirtschaft, sowie der Gesundheitssektor für österreichische Unternehmen interessante Möglichkeiten. 2016 waren vor allem elektrische Maschinen und elektrotechnische Waren österreichischer Hauptexport.
Im Jahr 2016 beliefen sich die heimischen Export in den Irak auf 93,2 Mio. Euro und gingen damit um mehr als ein Drittel (33,9 Prozent) zurück. Im ersten Halbjahr lagen die Ausfuhren bei 37,6 Mio. Euro, 29,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Importe aus dem Irak 2016 fielen um 0,7 Prozent auf 209,6 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2017 stiegen die Importe um 30,2 Prozent auf 76,4 Mio. Euro.
In Kurdistan hat sich die Stimmung der Wirtschaftstreibenden laut dem Außenwirtschaftscenter Amman/Damaskus nur wenig gebessert. Die Präsenz des IS führte zum Exodus ausländischer Investitionen, sagte Schmiedbauer. Unregelmäßige Gehaltszahlungen haben zu einem stetig schrumpfenden Konsum geführt.
~ WEB https://news.wko.at/presse ~ APA392 2017-11-17/15:09