,,Humanitäre Krise“ im Jemen: Saudi-Arabien blockiert Hilfsorganisationen
Mehrere Verkehrsblockaden hindern die Organisationen daran, lebensnotwendige Medizin, Lebensmittel und Treibstoff in die Städte zu liefern. 20 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, sieben Millionen droht bereits eine Hungersnot.
Wien/Sanaa – Im Jemen tätige Hilfsorganisationen prangern die „anhaltende Blockade von überlebenswichtigen humanitären und kommerziellen Lieferungen durch die von Saudi-Arabien geführte Koalition an“. Millionen von Menschen drohten damit verstärkt Krankheiten, Hunger und Tod.
Humanitäre Lieferungen bleiben aus
Seit elf Tagen verhindere die Blockade fast aller jemenitischen Seehäfen, Flughäfen und Landübergänge die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff, Medikamenten und Vorräten, hieß es am Freitag in einem Aufruf der UNO, von CARE, Save the Children und weiteren Hilfsorganisationen. Sie sprachen von einer „kollektiven Bestrafung von Millionen von Menschen im Jemen“. Riad müsse unverzüglich ALLE jemenitischen Häfen für humanitäre und kommerzielle Fracht öffnen und das humanitäre Völkerrecht, „besonders den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei der Durchführung von Kampfhandlungen sowie die Sicherstellung eines ungehinderten humanitären Zugangs“, einhalten.
20 Millionen Menschen betroffen
„Die derzeitige Blockade verschärft die schlimmste humanitäre Krise der Welt, in der nach fast drei Jahren Krieg mehr als 20 Millionen Menschen Hilfe benötigen“, betonte Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. Sieben Millionen befinden sich demnach bereits am Rande einer Hungersnot.
Flugwege werden blockiert
Ärzte ohne Grenzen beklagte, dass das saudisch geführte Bündnis seit zwölf Tagen den Flug von Dschibuti in die jemenitische Hauptstadt Sanaa unterbinde. „Ärzte ohne Grenzen wird dadurch maßgeblich davon abgehalten, die Bevölkerung, die davon dringend abhängig ist, mit lebensnotwendiger medizinischer und humanitärer Hilfe zu versorgen.“ See- und Flughäfen von Aden sind wieder offen: „Der Flughafen in Aden ist allerdings unzureichend, um zeitnah und effizient landesweit die dringend benötigte medizinische und humanitäre Hilfe zu leisten“, wurde betont.
Im Jemen kämpfen die schiitischen Houthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi. Eine internationale Koalition unter der Führung des sunnitischen Saudi-Arabien versucht, die Aufständischen zu vertreiben. Der Konflikt hat eine der größten Krisen für die Menschen weltweit ausgelöst. Mindestens 10.000 Menschen kamen bisher ums Leben. Der Regionalrivale Saudi-Arabiens, der schiitische Iran bestreitet, die Houthis zu unterstützen. Im Jemen droht nach Einschätzung der Vereinten Nationen die weltweit größte Hungersnot seit Jahrzehnten. Dabei könnten Millionen Menschen ums Leben kommen, sagte der UNO-Nothilfekoordinator Mark Lowcock jüngst. (APA)