Deutscher Sparkassenpräsident Fahrenschon über die Steuer gestolpert
Berlin/München (APA/dpa) - Millionen Menschen vertrauen den Sparkassen ihr Erspartes an. Zuverlässigkeit und Vertrauen sind für die öffentli...
Berlin/München (APA/dpa) - Millionen Menschen vertrauen den Sparkassen ihr Erspartes an. Zuverlässigkeit und Vertrauen sind für die öffentlich-rechtlichen Institute hohe Güter, Steuerhinterziehung passt da nicht ins Bild. Doch ausgerechnet der deutsche Sparkassenpräsident hat seine Steuererklärungen um Jahre verspätet eingereicht und will den Strafbefehl nicht hinnehmen - Fehler, die Georg Fahrenschon nun sein Amt kosten.
Mit den Steuervorschriften kennt er sich eigentlich aus: Von 2008 bis 2011 war er als bayerischer Finanzminister Chef der bayerischen Steuerverwaltung. Der CSU-Mann galt schon mal als möglicher deutscher Wirtschaftsminister, 2011 wurde er als Innenminister gehandelt. Da entschied sich der Hoffnungsträger der Christsozialen noch, Finanzminister im bayerischen Kabinett zu bleiben. Doch wenige Monate wechselte er doch von München nach Berlin - als neuer Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).
Den führte der 49-Jährige jahrelang unaufgeregt, nutzte seine politischen Kontakte für die rund 400 Sparkassen, die Landesbanken, Landesbausparkassen und Versicherungen. Der Sektor ist im Umbruch: Kostendruck, Filialschließungen, Stellenabbau - als oberster Lobbyist kämpfte Fahrenschon gegen weiteren Druck auf die Institute, sei es durch neue europäische Eigenkapitalregeln oder andauernde Niedrigzinsen.
Dem zweifachen Vater wurden in seiner Zeit als Politiker meist Fairness und Offenheit attestiert, er galt nie als Machtpolitiker. In die riesige Sparkassen-Organisation kam der Externe ohne Hausmacht. Als nun das Steuer-Strafverfahren öffentlich wurde, musste er erfahren, wie schnell die mächtigen Regionalfürsten von ihm abrücken.
Im Winter 2009 hatte Fahrenschon als bayerischer Finanzminister viel Zeit unfreiwillig auch in Wien verbracht - in Krisensitzungen rund um die damalige Hypo Alpe Adria, von der heute in Österreich nur mehr die Abbaugesellschaft Heta übrig ist. Fahrenschon war damals Eigentümervertreter der BayernLB, die 2007 die Mehrheit der Kärtner Hypo gekauft hatte. Ende 2009 musste die Hypo - damals sechstgrößte Bank Österreichs mit ausgedehnten Balkan-Aktivitäten - von der Republik Österreich notverstaatlicht werden. Ein langjähriger Rechtsstreit zwischen Österreich und Bayern war nur eine der Folgen.