Kolösschen wird zum Koloss
Mit der Neuauflage des Renault Koleos will der französische Autobauer alles richtig machen. Eine neue Optik, gute Verarbeitung und bewährte Technik sollen dabei helfen.
Von Lukas Letzner
Innsbruck – Bisher fristete der Renault Koleos das Dasein eines Mauerblümchens. Diese Tatsache war wohl der etwas gewöhnungsbedürftigen Optik geschuldet und der Grund dafür, warum sich der ungleiche Zwilling namens Nissan X-Trail wesentlich größerer Beliebtheit erfreuen durfte. Zuletzt wurde auch noch der Größenabstand zum kleineren Bruder Kadjar zu gering, und so wurde die Produktion des Koleos Mitte 2015 endgültig eingestellt. Wie es scheint, handelte es sich dabei nur um eine kurze Pause, denn jetzt hat Renault den Namen wiederbelebt und will bei der zweiten Generation des Koleos alles richtig machen. Ob dieses Vorhaben gelingt wollten wir in einem Test überprüfen.
Tatsächlich, der Auftritt des Neuen ist deutlich selbstbewusster und überzeugender als bisher. An der Front beeindrucken vor allem die großen Leuchtsicheln, welche die LED-Scheinwerfer einfassen. In Kombination mit dem angedeuteten Unterfahrschutz sorgen sie für eine robuste Optik. Das Heck des Koleos wirkt dank der charismatisch gezeichneten Leuchten ebenso gefällig. Außerdem ist er ganz schön in die Höhe geschossen. Mit einer Gesamtlänge von 4,67 Metern überragt er sowohl seinen Vorgänger als auch so manchen Konkurrenten. Man darf sich also auf ein entsprechendes Angebot an Raum freuen. Einmal Platz genommen fühlt man sich rasch wohl. Das Gestühl ermöglicht ein entspanntes Sitzen und selbst auf den hinteren Plätzen übersteht man längere Reisen problemlos. Zudem verfügt der französische Grenzgänger über 498 Liter Stauraum, welche sich auf bis zu 1706 Liter erweitern lassen. Ansonsten gibt sich das Interieur sehr edel und gediegen. Chromeinfassungen, Leder mit Ziernähten und Pianolack vermitteln einen hochwertigen Eindruck, ohne überfrachtet zu wirken. In der Mitte des Armaturenbretts thront das 8,7 Zoll große Display der R-Link-Navigation. Neben den herkömmlichen Features von Audio oder Internet zeigt sie eine Fülle an sonstigen Daten rund um Verbrauch, Klimatisierung und dergleichen.
Zwischen den Vorderrädern unseres Koleos saß ein 2-Liter-Diesel, welcher 175 PS, und ein maximales Drehmoment von 380 Newtonmeter auf die vier Räder verteilte. Das reicht, um den 1,8 Tonnen schweren Koleos unter 10 Sekunden auf Tempo 100 zu wuchten. Das macht ihn zwar nicht zur Rakete, doch seine stärken liegen ohnehin auf der Langstrecke.
Lenkung und Fahrwerk wurden besonders komfortabel abgestimmt und könnten für unseren Geschmack ruhig etwas straffer und direkter arbeiten. Dennoch weiß die Federung des Koleos unangenehmes Wanken zu schlucken. Ebenso komfortabel arbeitete das 7-Gang-CVT-Getriebe unseres Renaults. Die Schaltvorgänge erfolgen kaum merkbar, der Motor wirkt nie nervös und hält sich auch beim starken Beschleunigen zurück. Wer mit dem Koleos einen Ausflug ins Gelände unternehmen will, der findet in dem bewährten Allradsystem die ideale Assistenz. Mit der von uns getesteten Ausstattungsvariante Intense kostet der Renault Koleos mindestens 42.790 Euro. Die Basis ist bereits ab 31.990 Euro erhältlich.