Tennis: Thiem nach Aus: „Fühle mich sehr bescheiden auf dem Platz“

London (APA) - Es war das letzte Match eines Jahres, in dem er sich auf allen Belägen verbessert hat. Doch mit einem Saisonfinish, das unter...

London (APA) - Es war das letzte Match eines Jahres, in dem er sich auf allen Belägen verbessert hat. Doch mit einem Saisonfinish, das unter seiner Leistungsfähigkeit war, hat sich Dominic Thiem ein bisschen um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Dass es aktuell ein mentales Problem auf dem Platz gibt, das nicht unmittelbar mit seinem Tennis zu tun hat, bestätigt auch Thiem selbst.

„Es gibt sicher einige Gründe dafür. Einer davon ist - die ganzen engen Matches, die ich verloren habe, haben sicher ein bisschen einen Knacks hinterlassen“, erklärte Thiem am Freitagabend bei der Pressekonferenz in der O2-Arena. „Das ist sehr bitter, aber verlernt habe ich es sicher nicht.“ Das zeigte auch das Training, in dem er wesentlich stärker spielte. „Warum auch immer das so ist, ich muss und werde es rausfinden.“

Seine Gefühlswelt ist nach seiner Saison, in der er als einziger Spieler neben Rafael Nadal bei allen vier Grand Slams in die zweite Turnierwoche gekommen ist, von Enttäuschung geprägt. „Ich fühle mich wirklich sehr bescheiden auf dem Platz. Es gehen einfach manche Dinge nicht, die ganz normal sein sollten. Es passieren Fehler, die unter jeder Kritik sind für einen Spieler wie mich. Das ist sehr, sehr frustrierend sogar.“ Zudem wisse er selbst am besten, wie gut er spielen könne. „Und wie es sich anfühlt, wenn ich gut spiele. Da bin ich zur Zeit sehr weit entfernt davon.“

Auf die Frage, ob es nur die engen Niederlagen sind, die ihn beunruhigen, meinte Thiem: „Mich beunruhigt alles zur Zeit, weil alles schlecht ist. Andererseits beunruhigt es mich wieder nicht, weil ich sehe, wie gut es eigentlich im Training geht.“

Ausgelaugt nach insgesamt 27 Turniereinsätzen fühlt sich Thiem im Gegensatz zum Vorjahr („da war ich wirklich kaputt“) nicht. „Ich habe mich vor den ganzen Turnieren top gefühlt - auch hier. Deshalb ist es doppelt enttäuschend, dass dann teilweise solche Leistungen zustandekommen, weil es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt.“

Thiem rechnet damit, dass er auf Platz 5 überwintern wird. „Ich glaube nicht, dass Sock oder Goffin das Turnier hier gewinnen werden. Das steht dann schwarz-auf-weiß da und ist schön. Das wird mir niemand mehr nehmen können, deshalb bin ich sehr froh drüber.“

Für Thiem steht nun ein rund zehntägiger Urlaub an, ehe es am 30. November zur Saisonvorbereitung nach Teneriffa geht. Die Saison geht für ihn in Doha los, ehe er bei den Australian Open, danach den eingeplanten Davis-Cup-Heimländerkampf gegen Weißrussland und dann die Südamerika-Turniere in Buenos Aires, Acapulco und Rio spielt.

Thiem-Coach Günter Bresnik war selbstverständlich enttäuscht nach dem letzten Auftritt seines Schützlings - und auch etwas ratlos. „Erklären kann ich es gar nicht. Bis 3:0 läuft alles bestens... „, sagte der 56-jährige Niederösterreicher und beklagt einmal mehr, dass Thiem zu sehr nach Stand spielt. „Was mich stört, dass jemand nicht imstande ist, das Tennis zu spielen, dass er spielen soll und gut kann. Weil er Ergebnis verwalten möchte. Ein Tennisspieler ist kein Beamter, der etwas zu verwalten hat, sondern der muss ständig angreifen.“


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