Eine Bahnhaltestelle ist zu wenig

Volles Haus und lebhafte Debatte beim TT-Forum zur Bahnhaltestelle Münster-Wiesing. Die Bevölkerung möchte in beiden Orten einen Zughalt. Das Land Tirol erstellt eine Studie für die Standortentscheidung.

Auf dem Podium diskutierten: BM Alois Aschberger, LHStv. Ingrid Felipe, BM Werner Entner unter der Moderation von TT-CR Mario Zenhäusern, (l., v. l.).
© Michael Mader

Von Wolfgang Otter

Münster, Wiesing –Das Interesse an der Bahnhaltestelle Münster-Wiesing ist riesengroß. An die 400 Zuhörer kamen am Montagabend in Münster in die Turnhalle der Volksschule, um sich beim TT-Forum unter der Moderation von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern über die Zukunft der Station zu informieren und mitzudiskutieren. Und eines wurde dabei ganz klar: Die Bürgerinnen und Bürger wollen zwei Bahnhaltestellen – eine in Wiesing und eine in Münster. „Was zwischen Rattenberg und Brixlegg geht, müsste auch bei uns möglich sein“, meinte einer der Zuhörer. Anders Erwin Nagele von den ÖBB: Durch den Auslastungsgrad der Bahnstrecke im Unterinntal werden zwei Haltestellen nicht mehr möglich sein. „Voll ist voll“, meinte er. Auch die unterirdisch verlaufende Unterinntalbahn bringe kaum mehr Kapazitäten, „viele Güterzüge entsprechen nicht den Standards“, sagte auch LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe. Daher müssen sie oberirdisch fahren.

Daran ändert auch nichts, dass im Vorfeld des Baus der Unterinntalbahn beiden Gemeinden je eine neue Bahnhaltestelle versprochen wurde.

Zahlreiche Münsterer und Wiesinger meldeten sich zu Wort, viele verlangten für jeden Ort eine eigene Haltestelle.
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Daher dürfte es einen Verlierer im Wettrennen um die Bahnhaltestelle geben. Entsprechend versuchten die beiden Bürgermeister Werner Entner (Münster) und Alois Aschberger (Wiesing) auf dem Podium ihren Ort als den geeignetsten Standort anzupreisen. Viele Argumente sind bekannt: Da geht es frei nach dem Motto „Wer bietet mehr?“ um Fahrgastzahlen. Dem Reha-Zentrum Münster und künftigem Wohnbau mit Hunderten zu erwartenden Fahrgästen standen das Gewerbegebiet, eine Kinder-Reha und ein Fahrübungsplatz in Wiesing gegenüber.

All diese Argumente werden, so LHStv. Felipe, derzeit in eine vom Land in Auftrag gegebenen Studie zur Standortentscheidung neu eingearbeitet. Eigentlich lag bereits ein Studie vor, laut der Münster die besseren Karten gehabt hätte. „Aber dann haben die beiden Bürgermeister zusätzliche Infos eingebracht“, berichtete Felipe. Daher werde die Studie aktualisiert. „Es geht darum, möglichst vielen Menschen ein gutes Angebot zu machen“, sagte Felipe. Wobei es nicht möglich sei, jeden komplett zufrieden zu stellen.

Über eines waren sich beide Gemeindechefs einig: Die Bahnhaltestelle hat in ihrer derzeitigen Form keine Zukunft mehr. Auch wenn der ÖBB-Vertreter meinte, dass die Bahn keinen Investitionsbedarf sehe. Auch die abgelegene Lage zwischen den beiden Dörfern ist für die Fahrgäste ein Problem, wie eine Mutter erzählte. Seit acht Jahren fahre sie bis zu viermal am Tag die Bahnhaltestelle mit dem Auto an, um ihre Kinder abzuholen. Alleine könne man junge Mädchen nicht von dort aus nach Hause gehen lassen.

Das TT-Forum stieß auf großes Interesse.
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BM Alois Aschberger brachte einen Dorfbus ins Spiel, der die Haltestelle anfahren könnte. Was die Busse anbelangt, meinte aber BM Entner, es sei richtig, dass diese in Richtung Bahnhof Jenbach fahren. „Wenn man nun einen Querbus einführt, auf eine Haltestelle hin, wo jede Stunde ein Zug fährt, dann ist das ein ,Solarbus‘, weil er ,so laar‘ ist, weil niemand mitfährt.“ Das Zugangebot in Jenbach sei besser, daher würde niemand von Wiesing in die Gegenrichtung fahren. So wie laut seinen Zahlen die bestehende Haltestelle ohnedies in erster Linie von Münsterern genutzt werde, daher könnte sie gleich weiter in Richtung Reha-Zentrum verlegt werden. Aschberger konterte: „Man kann natürlich alles ins Lächerliche ziehen. Wenn man schon über Öffis redet, sollte es erlaubt sein, Vorschläge zu machen. Es gibt genügend gut funktionierende Dorfbusse.“

Die Haltestelle hat aber auch deshalb für Entner keine Zukunft, weil „das Parkdeck am Bahnhof Jenbach entsteht. Dann wird jeder, der sich ins Auto setzt, nach Jenbach fahren.“ Für den Wiesinger Ortschef ist die Situation in Jenbach jedenfalls noch ein ganz großes Problem für den Nahverkehr, „die Parkplatzsituation ist eine Katastrophe“. Eines sei laut Aschberger klar: Wenn die Haltestelle nur nach Münster kommt, werden die Wiesinger nur noch nach Jenbach fahren. „Wenn ich das zuspitze, was Sie sagen, habe ich herausgehört, dass Sie auf die Haltestelle Wiesing verzichten, wenn in Jenbach ein Parkhaus gebaut wird“, meinte darauf TT-CR Zenhäusern. Aschbergers Konter: „Manchmal hört man etwas heraus, was gar nicht gesagt wurde.“ Und Felipe meinte zu Jenbach: „Ja, es dauert lange, aber so weit wie jetzt waren wir noch nie.“ Es gehe bei der Frage ums Geld und die Aufteilung der Kosten auf die Gemeinden „und das macht es nicht leichter“. Sie hofft, dass es noch in der Regierungsperiode zum Beginn der Umsetzung kommt. Was die Bahnhaltestelle Münster-Wiesing anbelangt, wird es noch dauern. Wobei beide Bürgermeister auf eine „sachliche Entscheidung“ hoffen.


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