Fall Amri: Weitere Ermittlungspanne – Weihnachtsmärkte erneut Terrorziel

Eine Reihe von Pannen gegen den Weihnachtsmarkt-Attentäter von Berlin wird jetzt durch eine unrühmliche Episode der Polizei ergänzt. Auch heuer besteht erhöhte Terrorgefahr für Weihnachtsmärkte.

  • Artikel
Am 19. Dezember raste Anis Amri mit einem Lkw auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.
© AFP/Odd Andersen

Berlin – Knapp ein Jahr nach dem Attentat auf einen Berliner Weihnachtsmarkt ist eine weitere Ermittlungspanne bekannt geworden. Fotos, auf denen der islamistische Attentäter Anis Amri mit einer Waffe posiert, seien bei der Auswertung seines Handys wegen eines Datenfilters übersehen worden, sagte der Innenminister des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen Herbert Reul (CDU) am Montag in Düsseldorf.

Es handle sich vermutlich um eine Gas- oder Schreckschusspistole. Amris Mobiltelefon war Monate vor dem Anschlag in Berlin beschlagnahmt und ausgewertet worden. Darauf seien über 12.000 Mediendateien gespeichert gewesen. Wegen der Filtereinstellung seien Fotos mit schlechter Qualität nicht gesichtet worden, darunter sieben Bilder, die Amri mit Waffen zeigen.

BKA und LKA hatten Daten

„Hier ist ein Fehler passiert, der nicht hätte passieren dürfen“, sagte Reul. Ob dies zu einer anderen Einschätzung Amris geführt hätte, könne er nicht sagen. Für einen Haftbefehl hätten die Fotos jedenfalls nicht gereicht. Die Daten hätten allerdings nicht nur dem nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt (LKA), sondern auch dem Berliner LKA und dem BKA vorgelegen.

Amri hatte bei dem Anschlag am 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt zwölf Menschen getötet. Er wurde vier Tage später von der italienischen Polizei nahe Mailand erschossen.

Weihnachtsmärkte erneut potenzielles Terror-Ziel

Die deutschen Weihnachtsmärkte stehen nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden auch in diesem Jahr im Visier radikaler Islamisten. „Die Gefährdungslage in Europa und damit auch in Deutschland ist anhaltend hoch“, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Johannes Dimroth, am Montag in Berlin. Dies gelte auch für Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkte.

Die Sicherheitsbehörden des Bundes tauschten sich eng mit den Behörden in den Ländern aus, die zusammen mit den Kommunen und den Veranstaltern für die Gewährleistung der Sicherheit auf den Märkten zuständig sind. Die Polizei hat überall die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. (APA/dpa/Reuters)


Schlagworte