Der Einsamkeit trotzen: Emma Ruth Rundles dunkle Songs in der Arena

Wien (APA) - Leichter Nieselregen, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, die heraufziehende Nacht: Müsste man ein Drehbuch für Konzerte ...

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Wien (APA) - Leichter Nieselregen, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, die heraufziehende Nacht: Müsste man ein Drehbuch für Konzerte von Emma Ruth Rundle schreiben, der gestrige Montagabend in Wien könnte als Blaupause herhalten. Ihre dunklen, immer wieder von metallischer Härte durchzogenen Folksongs erzeugten in der Arena eine ganz eigene Stimmung. Emotional und roh, lud die Musikerin in ihr Reich.

Dieses ist gekennzeichnet von intensivem Schlagzeugspiel, schwebenden Gitarrenflächen und einer Stimme, die die Hörer ganz nah heranholt. Schließlich sind es auch höchst persönliche Dinge, die Rundle in ihren Stücken verhandelt. Allen voran das im Vorjahr erschienene Album „Marked For Death“ gleicht einem ungeschönten Blick auf das eigene Leben sowie schwierige Zeiten und dient gewissermaßen als Versuch, diese Gefühle in Klang zu fassen. „Alles beginnt gleich: Einsamkeit und Gitarre“, beschrieb Rundle vor dem Auftritt ihren Zugang zum Songwriting im APA-Interview.

Diese Reduktion klingt auch im Bandsetting nach: Denn obwohl ihre Kollegen von Jaye Jayle, die den Abend mit heftigen Bluesstürmen eröffnet hatten, an ihrer Seite den Songs neue Facetten zu entlocken verstanden, ging es im Kern stets um die zurückhaltend auf der Bühne agierende Sängerin und Gitarristin. War ihre Stimme zu Beginn oft nur als leiser Hauch zu vernehmen, kämpfte sie sich sukzessive ins Rampenlicht, sang gegen die sich auftürmenden Gitarrenwände an und entlud sich bei Glanztaten wie „So, Come“.

Hier schimmerte auch Rundles Faible für Postrock durch, dem sie etwa als Teil des Trios Marriages frönt. „Ich glaube, das wird auch bei meiner nächsten Soloplatte einen größeren Teil einnehmen“, gab sie bereits einen Ausblick auf Kommendes. „Ich schätze es sehr, mit dieser Band auf Tour zu sein. Wichtig ist mir einfach, dass ich möglichst offen bleibe und mich nicht von Genres einengen lasse.“ Dabei sei auch das Arbeitspensum - seit 2008 hat Rundle pro Jahr mindestens eine Veröffentlichung vorgelegt - noch keine Gefahr was Abnutzungserscheinungen oder Wiederholungen betrifft. „Es ist einfach eine natürliche Evolution“, gab sich die Sängerin selbstbewusst.

Einer Entwicklung wohnte man auch beim Konzert bei, das sich Schritt für Schritt steigerte und am Höhepunkt der Intensität einen dramaturgischen Bruch mit sich brachte. Denn wie schon den Einstieg entließ Rundle ihre Fans am Ende ganz alleine - ihre akustische Gitarre durch den Verstärker jagend, um das einfühlsame „Real Big Sky“ noch lange nachklingen zu lassen. Vielleicht ein Beispiel für den perfekten Moment auf der Bühne, über den sie wenige Stunden zuvor noch sinnierte. „Jeder Musiker, den ich kenne, sagt dasselbe: Es ist, wenn du einfach alles vergisst. Beinahe so, als ob du deinen Körper verlässt und einfach im Song aufgehst. Das ist das beste Gefühl überhaupt.“ Auf eine Wiederholung darf man sich jedenfalls freuen, vielleicht schon beim Linz-Gig am 1. Dezember.

(S E R V I C E - http://emmaruthrundle.com)


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