Eine Lienzer Tragödie in Buchform

Erzdiakon Georg Kobro brachte im Eigenverlag ein Buch über den Massentod der Kosakenflüchtlinge heraus.

  • Artikel
  • Diskussion
© Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz –Georg Kobro ist in einem ehemaligen Gefangenenlager bei Salzburg zur Welt gekommen, drei Jahre nachdem der Zweite Weltkrieg sein blutiges Ende gefunden hatte. Das Ziel der Ausrottung aller Kosaken führte in den Jahrzehnten vorher zu einer massenhaften Fluchtbewegung aus Russland – nach Europa, aber auch nach Amerika und bis nach Australien.

In Lienz ist ein langer Zug von Leiterwagen und Tausenden Menschen auf dem Rückweg von Italien gestrandet. Unter den hiesigen englischen Besatzern wurden sie entwaffnet und für einige Wochen im Mai 1945 unter anderem mit dem falschen Versprechen vertröstet, sie würden bald in Kanada zur berittenen Polizei gehen dürfen – eine Lüge. „Auf diese kurze sorglose Zeit im Lienzer Talboden folgte dann der tragische 1. Juni, der heute noch für alle Kosaken weltweit ein Trauma bedeutet und in kollektiver Erinnerung bleibt“, weiß Erzdiakon Georg Kobro. Die Kosaken wurden an den russischen Geheimdienst verraten. Tausende Flüchtling­e fanden in Lienz den Tod: im Kugelhagel von Maschinengewehren oder ertrunken in der Drau, unweit der Stelle, an der heute der Friedhof dem Massentod auf Lienzer Boden ein Andenken bewahrt. Mütter haben ihre kleinen Kinder an Baumstämmen bewusstlos geschlagen, bevor sie sich von der Kosakenbrücke mit ihnen in die Fluten stürzten.

„Es gibt bereits Bücher zu dieser Tragödie“, so Kobro. „Doch allein aufgrund fehlender Sprachkenntnisse der Autoren sind 80 Prozent der Quellen in diesen Werken unberücksichtigt geblieben.“ Der Erzdiakon hat jahrzehntelang geforscht und veröffentlichte seine Ergebnisse nun unter dem Titel „Kosaken in Lienz 1945“. Das Buch wurde am Dienstag in Lienz präsentiert. Zu einer geschichtlichen Chronologie stellt der Autor beispielhaft acht Biographien und verspricht „erstaunliche Schmankerln für gläubige Christen“, wie er sagt. Zu einem bisher unbekannten Verrat sei ihm der Nachweis gelungen.

Erhältlich ist das im Eigenverlag erschienene Buch im Kosakenmuseum am Lienzer Hauptplatz.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte