Israels legendärer Abhörspezialist Michael Gurdus gestorben

Tel Aviv (APA/dpa) - Seine Ohren reichten um die ganze Welt: Der israelische Abhörspezialist und Journalist Michael Gurdus ist tot. Er sei a...

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Tel Aviv (APA/dpa) - Seine Ohren reichten um die ganze Welt: Der israelische Abhörspezialist und Journalist Michael Gurdus ist tot. Er sei am Dienstag im Alter von 73 Jahren gestorben, berichteten israelische Medien. Regierungschef Benjamin Netanyahu äußerte Trauer über seinen Tod und würdigte Gurdus als „kenntnisreichen Menschen, der uns vor der Internet-Ära viele Jahre lang mit weiten Teilen der Welt verbunden hat“.

Gurdus arbeitete für den israelischen Rundfunk und hörte aus einem kleinen, mit technischen Geräten vollgestellten Büro in Tel Aviv den Funkverkehr in aller Welt ab. Oft war er dabei der Erste, der wichtige Nachrichten aufschnappte.

Nach Angaben des Oppositionspolitikers Yitzhak Herzog war Gurdus häufig schneller als Israels angesehener Geheimdienst. „Als Absolvent der (Elite-Geheimdiensteinheit der Armee) 8200 kann ich bezeugen, dass Micky Gurdus nicht selten mit seinen Knüllern dem israelischen Geheimdienst zuvorgekommen ist“, schrieb Herzog bei Twitter. „Wir haben ihm mit Wissbegierde zugehört.“

Das Sprachtalent Gurdus beherrschte Englisch, Französisch, Arabisch, Polnisch, Russisch, Hebräisch, Deutsch und Italienisch. Von internationalen Entführungen erfuhr er früh durch ständiges Verfolgen des Funkverkehrs: Etwa Ende 1985 während der Entführung des italienischen Schiffes „Achille Lauro“, bei der Entführung des TWA-Flugzeugs in Beirut und 1977 der Lufthansa-Maschine nach Mogadischu.

Der Vorfall 1977 brachte ihm allerdings Ärger mit Deutschland ein: Während der Vorbereitungen auf eine Rettungsaktion der GSG 9 in Mogadischu hörte Gurdus die Gespräche zwischen Kontrollturm und Entführern sowie zwischen Kontrollturm und Piloten der Maschine, mit der die Grenzschutzeinheit gekommen war. Der israelische Rundfunk brachte eine Reportage von ihm und gefährdete damit den ganzen Rettungseinsatz. Gurdus sprach später von einem Missverständnis mit einem Redakteur, der den Beitrag zu früh gesendet habe.


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