Glawischnig verunglimpft: Prozess gegen Website-Betreiber

Ein 65-Jähriger veröffentlichte Unterstellungen gegenüber der ehemaligen Grünen-Chefin Eva Glawischnig im Internet.

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Die ehemalige Grünen-Chefin Eva Glawischnig.
© REUTERS

Wien – Der Betreiber einer Website hat sich am Dienstag wegen übler Nachrede am Wiener Landesgericht für Strafsachen verantworten müssen. Der 65-Jährige – er gab als Beruf „Pensionist und Journalist“ zu Protokoll – hatte auf seiner Website gegen die langjährige Grünen-Chefin Eva Glawischnig gerichtete Unterstellungen veröffentlicht, die deren höchstpersönlichen Lebensbereich betrafen.

Glawischnig ließ sich das nicht bieten und klagte. Vor Richter Thomas Spreitzer bekannte sich der 65-Jährige nun „nicht schuldig“. Er sei mit seinen Behauptungen, die aus medienrechtlichen Gründen hier nicht wiedergegeben werden, womöglich „etwas zu weit gegangen“, meinte er. Das tue ihm auch leid. Andererseits hätte es „Indikatoren gegeben, dass es stimmen könnte“. Zudem hätte er „nur angedeutet“.

Der Mann dürfte sich bei seinen Veröffentlichungen auf die im heurigen Jahr erschienenen Memoiren der Wiener Nachtclub-Königin Nina Janousek bezogen haben. In ihrem Buch „Madame Nina weiß alles“ gewährt die 69-Jährige Einblicke in ihren Erfahrungsschatz. Am Rande kommt dabei auch eine nicht näher bezeichnete „Eva“ vor.

Betreiber will per Zuschriften Hinweise bekommen haben

Die Frage des Richters, wie er auf die Idee komme, dass es sich bei dieser Eva um Glawischnig handle, beantwortete der 65-Jährige ausweichend. „Leserzuschriften“ hätten ihn darauf aufmerksam gemacht. Umso deutlicher fiel die Antwort von Glawischnig aus, die persönlich zur Verhandlung erschienen war. Es sei „absolut nicht möglich“, dass mit besagter Eva in Janouseks Band sie gemeint sei, meinte die Ex-Politikerin.

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Autorin wegen Gesundheitszustandes nicht im Gericht

Da Nina Janousek ihrer Zeugenladung aufgrund einer schweren Herzerkrankung nicht nachkommen konnte, musste die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Der Richter möchte „Madame Nina“ noch persönlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Identität der ominösen Eva befragen. Dass Janousek mit den inkriminierten Passagen keineswegs einverstanden ist, machte allerdings ihre Anwältin Astrid Wagner klar.

Der 65-jährige Beklagte hätte Passagen aus dem Buch „zu Propagandazwecken“ missbraucht, sagte Wagner. Das hätte Janouseks Gesundheitszustand verschlechtert. Dafür verlangte Wagner vom Website-Betreiber 10.000 Euro an finanzieller Wiedergutmachung. Der Richter ließ Wagner allerdings nicht als Privatbeteiligten-Vertreterin zu. Janousek komme im gegenständlichen Verfahren mangels rechtlicher Legitimation nicht als Privatbeteiligte in Frage, entschied Spreitzer. (APA)


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