„Ein Liebhaberstück“: Noiserocker Dyse hatten wieder Spaß im Studio

Wien (APA) - Zwischen Dadaismus und Noiserock ist das deutsche Duo Dyse zu verorten. Mit einem Faible für abseitige Texte und druckvolle Rif...

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Wien (APA) - Zwischen Dadaismus und Noiserock ist das deutsche Duo Dyse zu verorten. Mit einem Faible für abseitige Texte und druckvolle Riffs ausgestattet, touren Andrej Dietrich und Jarii van Gohl seit bald 15 Jahren durch die Welt. Kürzlich haben die Musiker mit „Bonzengulasch“ eine neue EP vorgelegt, die die Wartezeit bis zum nächsten Album verkürzen soll. „Ein Liebhaberstück“, wie es van Gohl beschreibt.

Getreu dem selbst aufgestellten Motto „Wer Dyse liebt, wird Dyse lieben“, hat die Band nicht nur einen für sie geradezu typischen Titelsong auf die (derzeit nur digital erhältliche) Veröffentlichung gepackt, sondern lehnt sich mit zwei elektronisch angehauchten Stücken auch aus dem Fenster. „Bei uns entstehen ja die meisten Sachen aus Versehen“, lacht van Gohl im APA-Interview. „Wir haben das Glück, dass wir uns ausprobieren können. Im Endeffekt stößt es vielleicht eine Tür auf bei den Leuten, die mit Electro nichts anfangen können.“

Was bei der Studioaufnahme nach Kollegen wie Deichkind klingt, geht auf der Bühne aber ordentlich ab - eben mit den Mitteln Gitarre und Schlagzeug, die zur Standardausstattung von Dyse gehören. „Es ist doch schön, wenn man erstmal überrascht“, meint van Gohl. „Live spielen wir das dann im Dyse-Gewand. Da merkt man, dass alles drin steckt, was uns ausmacht.“ Und trotzdem will man sich nicht auf bisher Erreichtem ausruhen oder gar nach einer Formel vorgehen. „Wir haben immer neue Inputs gesucht, um die Musik für uns interessant zu halten“, so Dietrich. „Wenn uns etwas nicht gefällt, dann machen wir das nicht. Das ist schon eine Luxusposition.“

Immerhin hat es das Duo mit verquerer Rhythmik, mächtigen Breakdowns und eingängigen Wortspielen quasi mehrfach um den Globus geschafft - von Neuseeland bis in die USA reicht die ansehnliche Tourliste der vergangenen Jahre. Dass man über Sprachbarrieren hinweg funktioniert, hat letztlich wohl mit der leicht vermittelbaren Freude der Musiker auf der Bühne zu tun: Sind die zweigeteilten und zueinanderpassenden Hemden erstmal angezogen, gibt es für Dietrich und van Gohl eigentlich nur „Vollgas“, wie es im herrlich absurden „Schildkrötenthomas“ heißt.

Dem Dienst nach Vorschrift wird also eine Absage erteilt - wobei sich die Musiker den Zwängen des eigenen Geschäfts durchaus bewusst sind. „Unterm Strich ist es natürlich Business, aber es fühlt sich nicht so an“, betont van Gohl. „Klar gibt es einen ordentlichen Arbeitsaufwand, man kann ja nicht nur Musik machen - es hängt einfach einiges dran.“ Aber: „Wir sind schon eine ganze Ecke dabei, und das Wichtigste ist: Du rennst niemandem hinterher“, ergänzt Dietrich. „Die Sachen kommen zu dir, wenn du einfach machst. Natürlich brauchst du auch ein glückliches Händchen. Aber das Gefühl, etwas unbedingt erreichen oder machen zu müssen, haben wir nicht.“

Und so pendelt man zwischen den Liveauftritten, der Zeit in Proberaum und Studio sowie weiteren Projekten, darunter Arbeiten fürs Theater oder Sounddesign. Man wolle einfach authentisch bleiben und „den Fokus auf das legen, was wir gerne machen“, erklärt van Gohl. „Diese Gier nach Ruhm und Geld macht einen am Ende doch nur unglücklich. Für uns ist es letztlich egal, ob wir vor 10 oder 1.000 Leuten spielen, solange wie Spaß bei der Sache haben.“ Den Fans scheint es jedenfalls zu gefallen. Und sie dürfen sich offenbar auf eine kleine Überraschung freuen, wird doch die Vinyl-Version von „Bonzengulasch“ Mitte Jänner mit einem zusätzlichen Track um die Ecke kommen.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA.)

(S E R V I C E - www.dyse-band.de)


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