Journalismus braucht „Mut zur Autorität“

Mit „fröhlicher Ernsthaftigkeit“ diskutierten Vertreter österreichischer Medien über die Zukunft des Journalismus beim Mediengipfel in Lech.

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© pro media kommunikation gmbh/APA

Von Katharina Pöllmann

Lech –Die Digitalisierung und soziale Netzwerke haben die klassischen Medien und mit ihnen das Selbstbild der Journalisten nachhaltig beeinflusst, darüber war man sich auf dem Podium einig. Ob es sich bei Facebook, Twitter und Co. tatsächlich um Medien oder nicht doch nur um technische Plattformen handelt, sorgte jedoch für einige Diskussion, die keine klare Antwort fand.

Rainer Schüller, stv. Chefredakteur des Standard, sieht in der neuen Möglichkeit, dass jeder auf Online-Plattformen reagieren kann, jedenfalls den Auftrag an Journalisten, sich dem Leser mehr zu widmen und auf ihn zuzugehen. Wie Michael Fleischhacker, Chefredakteur bei Addendum, feststellt, gibt es aber auch eine genau gegenteilige Reaktion: Viele Journalisten würden versuchen, den Abstand zu den Lesern wieder zu vergrößern – durch Moralisierung und durch die Haltung, sie würden es besser wissen.

Gerade die Distanz zum Leser und der „Mut zur Autorität“, wie es Moderator Sebastian Loudon formulierte, werden in der Diskussionsrunde als wichtigste Zukunftsstrategie für klassische Medien identifiziert, um sich gegen soziale Netzwerke und Fake News zu behaupten. Es gehe dabei aber nicht um Moralisierung und damit die Bewertung „gut“ oder „böse“, meint ORF-Korrespondent Raimund Löw, sondern darum, zu prüfen, ob die Information richtig oder falsch ist. Abgesehen davon – und von der Einbeziehung mehrerer Quellen –, sieht APA-Geschäftsführer Clemens Pig die Auswahl und Einordnung von Nachrichten als zukunftsweisend: „Je unorganisierter die Inhalte der sozialen Netzwerke sind, desto größer ist die Sehnsucht der Leser nach Einordnung.“ Auf keinen Fall dürfe der journalistische Boden verlassen werden, um sich dem Konzept der sozialen Netzwerke anzupassen.

Überprüfte Informationen müssten weiterhin die Grundlage bleiben, sagte Pig. In dieser Strategie liege dann nicht nur die qualitative, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft der klassischen Medien.

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Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, sieht deren Zukunft prinzipiell positiv. Er beobachtet bereits heute eine Evolution zurück zur Glaubwürdigkeit – besonders bei den regionalen und lokalen Medien. Wichtig sei allerdings, dass Journalismus weiter von Menschen und nicht von automatisierten Computerprogrammen (den so genannten Bots) übernommen werde.


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