Russischer Bischof: „Zar durch jüdischen Ritualmord ermordet“

Jerusalem/Moskau (APA) - Russlands größte jüdische Organisation hat gegen die Behauptung eines örtlichen orthodoxen Bischofs protestiert, da...

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Jerusalem/Moskau (APA) - Russlands größte jüdische Organisation hat gegen die Behauptung eines örtlichen orthodoxen Bischofs protestiert, dass der letzte Zar des Landes von Juden für rituelle Zwecke ermordet worden sei. Die These wurde von einem Beamten des Justizministeriums wiederholt. Das berichten laut Kathpress „Interfax“ und die israelische Tageszeitung „Haaretz“ am Mittwoch.

Marina Molodtsova, leitende Ermittlungsbeamtin eines Sonderausschusses für die Ermordung von Zar Nikolaus II. im Jahr 1918, sagte laut „Ria Novosti“ am Montag während einer Konferenz in Moskau, ihr Komitee werde „eine psychohistorische Untersuchung“ durchführen, um herauszufinden, ob die Hinrichtung der Zarenfamilie ein Ritualmord gewesen sei.

Bei der gleichen Veranstaltung sagte der orthodoxe Bischof Tichon Schewkunow, dass nach „der strengen Herangehensweise an die Version des Ritualmordes ein bedeutender Teil der Kirchenkommission, der sich mit der Ermordung Nikolaus‘ II. während der Revolution 1917/18 befasst hat, keinen Zweifel daran“ habe, dass dies „ein Ritualmord war“.

Die Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands, eine Gruppe mit mehr als 100 Mitgliedsgemeinden in ganz Russland, nannte die Wortmeldungen in einer Erklärung am Dienstag einen „schockierenden Ausdruck eines antisemitischen Mythos“. „Wir alle halten das für absolut inakzeptabel“, sagte der Sprecher des Verbandes, Boruch Gorin, gegenüber „Interfax“. Er sagte, er sei „vor allem von der Absurdität der Vorwürfe schockiert“. Der Euro-Asiatische Jüdische Kongress verurteilte auch die gleichen Kommentare in einer Erklärung am Dienstag.

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Angesichts des zunehmenden Nationalismus und der Nostalgie für die Zarenzeit in Russland unter Präsident Wladimir Putin hatte ein russisches Gericht 2010 den Staatsanwälten befohlen, die Ermittlungen gegen den Mord an dem Zaren und seiner Familie wieder aufzunehmen. Internationale Historiker gehen jedoch alle davon aus, dass der Mord durch die Bolschewiki verübt wurde. Die russisch-orthodoxe Kirche hat den ermordeten Zaren und seine Familie im Jahr 2000 zu Heiligen gemacht.

Die übergroße Prävalenz der Juden in den Reihen der Revolution war eine Hauptstütze des antisemitischen Narrativs in der Region. Während des Holocaust diente er als Vorwand für die Ermordung unzähliger Juden in ganz Osteuropa durch selbsternannte Feinde des Kommunismus und Russlands, trotz der Tatsache, dass Kommunisten bereits damals Juden und öffentliche Äußerungen ihres Glaubens unterdrückten.

Die Mörder von Nikolaus II. waren „offensichtlich engagierte Atheisten, die jeglichen Glauben an irgendeine Macht ablehnten - außer ihren eigenen“, sagte Gorin „Haaretz“ gegenüber. Boruch Gorin ist ranghoher Berater von Russlands Oberrabbiner Berel Lazart. Die Schuld der Juden für den Tod des Zaren sei „ein absolut antisemitischer Mythos, der in der antisemitischen Propaganda seit mehreren Jahrzehnten verwendet wird, weshalb wir Juden dies mit großer Sorge betrachten“.


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