„Entsetzlich“ - EU-Afrika-Gipfel im Schatten des Sklavenhandels

Abidjan (APA) - „Entsetzlich“, „furchtbar“ - Die Eröffnungsreden zum 5. EU-Afrika-Gipfel in Abidjan gerieten am Mittwoch über weite Strecken...

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Abidjan (APA) - „Entsetzlich“, „furchtbar“ - Die Eröffnungsreden zum 5. EU-Afrika-Gipfel in Abidjan gerieten am Mittwoch über weite Strecken zum Ausdruck der Fassungslosigkeit über die jüngsten Berichte über Sklavenhandel mit afrikanischen Flüchtlingen in Libyen - obwohl Hilfsorganisationen seit langem darauf hingewiesen hatten und den Gipfelteilnehmern vorwerfen, jetzt Krokodilstränen zu vergießen.

An die „schlimmsten Stunden der Menschheitsgeschichte“ fühlte sich der Präsident von Cote d‘Ivoire, Alassane Ouattara, erinnert, als der Gastgeber des Gipfels in seiner Eröffnungsrede auf die vor wenigen Tagen vom US-Fernsehsender CNN veröffentlichten Bilder von Sklavenauktionen Bezug nahm.

„Furchtbar“ nannte EU-Ratspräsident Donald Tusk die Berichte aus Libyen - meinte aber gleichzeitig: „Das Schlimmste, was wir jetzt tun können, ist mit dem Finger aufeinander zu zeigen.“ Man müsse Libyen Hilfe anbieten statt es zu verurteilen, forderte Tusk und sprach sich einmal mehr für eine kontrollierte Migration aus.

Der Präsident der Afrikanischen Union, der frühere Regierungschef des Tschad, forderte zum Auftakt des zweitägigen Gipfels, dieser müsse „zu entschiedenen Maßnahmen gegen diese furchtbaren Vorkommnisse führen“.

Auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sprach von „furchtbaren Bildern“. Nur wenn Migration „auf geordnete Weise“ stattfinde, könnten sich die Menschen, die jetzt flüchteten, auch in ihren Heimatländern eine Zukunft erarbeiten.

Zahlreiche internationale Hilfsorganisationen berichten allerdings schon seit längeren davon, dass Flüchtlinge in Libyen misshandelt, vergewaltigt und zu Sklavenarbeit gezwungen würden. Sie beschuldigen die Teilnehmer des Gipfels jetzt der Heuchelei, da sie angesichts der Berichte jetzt nicht so tun könnten, als hätten sie nichts gewusst.


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