Klassenkampf-Chaos in der Stadt der Liebe

Toni Colette, Rossy de Palma und Harvey Keitel retten Amanda Sthers’ Komödie „Madame“ aus manchen Schwächen.

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© studiocanal

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –Paris ist die Stadt der klassenübergreifenden Liebe. Zumindest in Amanda Sthers’ Komödie „Madame“. Darin fällt die Hausangestellte Maria dem Aberglauben ihrer Arbeitgeberin Anne zum Opfer und muss sich zu den 13 geladenen Gästen dazusetzen. Anne war einst selbst nur die Golflehrerin, bis sie zur Ehefrau des reichen Erben und Bänkers Bob Fredericks aufstieg.

Das noble Dinner des amerikanischen Ehepaares für 10 ausgewählte Freunde entspricht dem berühmten Abendmahl-Gemälde im Pariser Stadthaus, das Hausherr Bob gerade dringend verkaufen will. Der dreizehnte Gast dabei ist Sohn Steven aus erster Ehe, ein Schriftsteller mit Spaß am Klassenkampf: Er bringt als hintertriebene Shakespear’sche Puck-Figur die doppelte Verwechslungsgeschichte ins Rollen, indem er Platzkarten neu arrangiert und Maria per Gerücht zur spanischen Adeligen macht. Und prompt verfällt ihr Sitznachbar David. Und die Gastgeber dürfen das Geheimnis nicht lüften, weil nicht nur die Reputation auf dem Spiel steht. Mit dieser Lüge würde auch die Echtheit des Gemäldes in Zweifel geraten, das der Kunsthändler David verkaufen soll.

Die Autorin und Theater-Regisseurin Amanda Sthers hat diesen Zweiakter als Filmdrehbuch verfasst und nicht etwa vom Theater adaptiert. Das Dinner als Herzstück ist aber auch gut auf einer Theaterbühne vorstellbar und ein Schmaus nahezu in Echtzeit.

Da es sich eben um eine Paris-Komödie handelt, darf auch die pittoreske Seite der Stadt an der Seine nicht zu kurz kommen. Also geht die Romanze zwischen dem britischen Charmeur David und der falschen spanischen Edeldame nach dem initialen Abend weiter. Bob und Anne kreisen dabei ängstlich um die beiden Turteltauben und verstricken sich immer weiter in ihren Schwindel. Ganz nebenbei werden die urbanen Romantik-Kulissen vorgeführt, wie in einem Woody-Allen-Film. Ganz so spritzig und leichtfüßig geht es in „Madame“ leider nicht zu, das Timing der Pointen ist zuweilen etwas holprig und die deutsche Synchronfassung tut ihr Übriges. Doch die Beziehung zwischen der neurotischen Herrschaft und der selbstbewussten Dienerin hält durchaus bissige Spitzen bereit und das Schauspieler-Ensemble trägt die leichte Geschichte durch die 91 Minuten. Harvey Keitel und Toni Collette haben Spaß an ihren amerikanischen Millionärsrollen. Almodovar-Muse Rossy de Palma durchbricht das Klischee des naiven Hausmädchens. Grandios etwa ihr Auftritt als rosa Fee beim Kindergeburtstag, zu dem sie ebenso verdonnert wird wie zu ihrer Rolle beim Dinner. De Palma sei der Ausgangspunkt des Filmprojekts gewesen, meint Autorin Amanda Sthers und macht sie darin zu einem eher ungewöhnlichen Aschenputtel, während sie den kleinen Kindern der Familie die Disney-Version vorliest. Der böse Geist dieses selbstironischen Märchens ist Schriftsteller Steven, der seine selbst initiierte Verwechslung gleich als Vorlage für einen neuen Roman nimmt. Der Titel: „The Maid“.

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