Kanzleichaos ruinierte Tiroler Rechtsanwalt

Nach nicht nachvollziehbaren Fehlüberweisungen wurde ein nunmehriger Ex-Anwalt gestern wegen Untreue verurteilt.

  • Artikel
Landesgericht Innsbruck.
© TT/Thomas Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Dass der Stand der Rechtsanwälte auch schon bessere Zeiten gesehen hat, ist bekannt. Immer härtere Rahmenbedingungen, ein drastischer Rückgang von Klagen im Zivilbereich oder zugeteilte Sachwalterschaften dämpfen bei so manchem Advokaten Zuversicht und Einnahmen. Einem Tiroler Anwalt wurde dies irgendwann zu viel – insbesondere, als der Einzelkämpfer die umfangreiche Verlassenschaft eines verstorbenen Kollegen abwickeln musste. Ohne Sekretärin schlitterte der Anwalt bald ins buchhalterische Chaos und wurde von einem seiner Kollegen prompt geklagt. Dass zudem die Versicherung für das Kanzleichaos nicht geradestehen wollte, machte die Situation des Anwalts nicht besser. In dieser Zeit war der Anwalt auch noch als Sachwalter bestellt. Das war des Guten dann zu viel. Mahnungen des Bezirksgerichts blieben ohne Folgen. Dafür erstattete ein weiterer Anwalt Anzeige gegen seinen Kollegen.

Gestern am Landesgericht war aus der Sachverhaltsdarstellung ein Untreueprozess geworden. Letztlich sechsmal soll der Anwalt Überweisungen vom Konto der Besachwalterten getätigt haben, denen keine Gegenforderung gegenüberstand. Auch am Konto des Anwalts landete da „versehentlich“ Geld. Die von der Staatsanwaltschaft errechneten Überweisungsbeträge in der Höhe von 17.700 Euro hat der Anwalt indes schon wieder gutgemacht.

„Ich hatte seit Ende 2015 kein Sekretariat mehr und bin da über mein eigenes Kanzleichaos gestolpert. Zudem hatte ich Existenzängste. Die Überweisungen waren jedoch Irrtümer. Ich habe geglaubt, dass alles passt und leider nicht mehr nachkon­trolliert!“

Richter Thomas Dampf sah sich vor dem Urteil den Fall extra noch einmal genau an und kam zu einer Verurteilung wegen Untreue. Diese und eine Geldstrafe von 1440 Euro sind nicht rechtskräftig. Dampf: „Ich glaube an ein Chaos, aber nicht an so viel Fauxpas. Geht es hier um zwei Fehlbuchungen, sitzen Sie nicht hier. In falsche Konten fällt man nicht einfach so hinein!“ Der nunmehr insolvente Advokat zog übrigens bereits vorab die Konsequenzen und ist aus dem Anwaltsstand ausgeschieden.


Schlagworte