Lehre soll aufgewertet werden

Dem Bezirk Kitzbühel droht ein weiterer Fachkräftemangel. 149 offenen Lehrstellen stehen nur zwölf Suchende gegenüber.

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Kitzbühel –Fachkräftemangel, offene Lehrstellen und ein hoher Anteil an nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen prägen laut ÖGB derzeit das Thema Lehre in Tirol. „Auch im Bezirk Kitzbühel sind derzeit 149 Lehrstellen offen, demgegenüber stehen lediglich zwölf Lehrstellensuchende“, schildert Thomas Spiegl, Tirols ÖGB-Jugendvorsitzender. Die Anzahl der Lehrlinge sinke stetig – waren es im Jahr 2006 noch 1412 Lehrlinge im Bezirk, sind es zehn Jahre später nur 1037.

Spiegl stellte im Rahmen eines Pressegesprächs zusammen mit Tirols ÖGB-Vorsitzendem Philip Wohlgemuth ein 16 Punkte umfassendes Programm zur Aufwertung der Lehre vor. Das Papier wurde politischen Entscheidungsträgern und Sozialpartnern bereits übermittelt – jetzt hofft der ÖGB auf schnellstmögliche Umsetzung. „Vor allem der Bezirk Kitzbühel mit dem großen Dienstleistungssektor – Stichwort Tourismus – ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen und braucht sie auch in Zukunft“, betont Spiegl.

Die Gründe für die sinkenden Lehrlingszahlen seien vielfältig. „Der finanzielle Aspekt ist einer von vielen. Daher fordern wir eine Erhöhung der monatlichen KV-Mindestlehrlingsentschädigung auf 700 Euro brutto im ersten Lehrjahr und 900, 1100 und 1300 Euro in den Folgejahren. Damit wollen wir dem Trend, die Tätigkeit einer Hilfsarbeit der Lehrausbildung vorzuziehen, entgegenwirken“, sagt Wohlgemuth. Berufs- und Bildungsorientierung ab der ersten Bildungsstufe sieht er als Basis, damit Jugendliche überhaupt über ihre Möglichkeiten informiert werden.

Besonders alarmierend sei der Anstieg der Quote der nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen: Waren es 2006 tirolweit noch ca. 18 Prozent, sind es mittlerweile fast ein Viertel aller Lehrlinge, die die Prüfung nicht schaffen. „Wir fordern die Verlagerung der Lehrabschlussprüfungen in die Berufsschule. Wenn die Auszubildenden mit der Umgebung und den Maschinen, Küchengeräten, EDV-Programmen etc. vertraut sind, treten sie gelassener zur Prüfung an“, ist Wohlgemuth überzeugt. (TT)


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