Europas Leitbörsen zu Mittag im deutlich im Minus

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Frankfurt am Main (APA) - Die Kauflaune an Europas Börsen scheint auch nach der gestrigen Rekordjagd an der Wall Street vorerst verflogen. Innerhalb kürzester Zeit trübten sich die europäischen Märkte einstimmig ein, und rangierten teilweise tief im Minusbereich. Die Anleger scheuten derzeit generell das Risiko, sagte ein Marktbeobachter am Freitag.

Der 50 führende Unternehmen der Eurozone umfassende Euro-Stoxx-50 verlor glatte 1,00 Prozent auf 3.534,27 Punkte. Der DAX in Frankfurt notierte gegen 12.20 Uhr mit 12.846,50 Punkten und minus 1,36 Prozent. Der FT-SE-100 der Börse London verlor 0,48 Prozent und steht nun bei 7.291,86 Stellen.

Börsianer verwiesen auf die überraschende Verschiebung der Abstimmung zur geplanten US-Steuerreform im Senat. Dies habe die Hoffnung eingetrübt, dass die Steuerpläne des US-Präsidenten Donald Trump bald durchgewunken werden könnten, hieß es. Zudem leiden die europäischen Märkte unter dem starken Euro und den politischen Unsicherheiten über die Regierungsbildung in Deutschland.

Datenseitig dürften am heutigen Handelstag positive Konjunkturdaten in den Hintergrund gerückt sein. Denn die Geschäfte der Industrie der Eurozone laufen so gut wie seit dem Platzen der Internetblase vor über 17 Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex kletterte nämlich im November um 1,6 auf 60,1 Punkte. Höher notierte das Barometer lediglich im April 2000, wie das Institut IHS Markit zu seiner Umfrage unter tausenden Unternehmen mitteilte. Im weiteren Tagesverlauf werden auch aus den USA noch Stimmungsdaten für die Industrie erwartet.

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Branchenweite Verluste mussten zu Mittag besonders Autobauer und Zulieferer verzeichnen. Noch am besten, aber dennoch in der Verlustzone, performten sowohl Öl - und Gaswerte als auch Telekommunikations- und Medienaktien. Grund dürfte bei ersteren die Einigung der OPEC mit Nicht-OPEC-Staaten, die Ölproduktionskürzung zeitlich auszuweiten, sein.

Bezüglich den Autowerten nahmen Anleger nach dem Aufwärtstrend seit Mitte November Gewinne mit, denn vor dem Wochenende mehrten sich im Sektor die schlechten Nachrichten: So stuften die Analysten der Citigroup die PSA-Papiere (minus 2,71 Prozent) ab und begründeten dies mit der Opel-Sanierung, die aus ihrer Sicht teurer und komplizierter werden dürfte als gedacht.

Öl ins Feuer goss zudem Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Center der Universität Duisburg-Essen. Er rechnet für das kommende Frühjahr mit einem Markteinbruch, da die derzeitigen Rabattprämien der Hersteller dann ausliefen. Unter den größten Verlierern notierten im Euro-Stoxx-50 somit Volkswagen mit einem Abschlag von 1,91 Prozent.

Unter den Pharmawerten stachen Sanofi-Papiere mit einem Kursverlust von 2,09 Prozent, nach einem skeptischen Analystenkommentar durch Morgan Stanley, hervor. Die Experten votieren nun für einen Verkauf der Papiere des Pharmakonzerns und verwiesen unter anderem auf Risiken im Diabetes-Geschäft. Die Aktie des dänischen Insulin-Produzenten Novo Nordisk verteuerte sich hingegen um mehr als 1,30 Prozent. Morgan Stanley sprach nun seinerseits eine frische Kaufempfehlung für die Papiere aus.

Weiterhin in einer Abwärtsspirale gefangen, gaben ASML-Anteile den fünften Tag infolge 1,22 Prozent ab. Binnen kurzer Zeit wurden damit die Gewinne der vergangenen Wochen ausradiert.

In London erwischte es die Aktien des Rüstungskonzerns Babcock International: Sie gaben um mehr als drei Prozent nach - ausschlaggebend waren auch hier die Experten von Morgan Stanley. Sie hatten ihre Kaufempfehlung zurückgezogen.

~ ISIN EU0009658145 ~ APA263 2017-12-01/12:31


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