Moskautreue orthodoxe Kirche in der Ukraine formal unabhängig

Moskau/Kiew (APA/dpa) - Die dieswöchige Konferenz des Rates der Bischöfe der Russisch-Orthodoxen Kirche, zu der sich die Würdenträger aus 22...

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Moskau/Kiew (APA/dpa) - Die dieswöchige Konferenz des Rates der Bischöfe der Russisch-Orthodoxen Kirche, zu der sich die Würdenträger aus 22 Ländern in Moskau versammelt hat, sucht eine gemeinsame Haltung im Problem der kirchlich gespaltenen Ukraine.

Wie die Moskauer Nachrichtenagentur TASS am Freitag laut Kathpress berichtet, habe der Rat am Donnerstag ein Dokument angenommen, in dem von einer überraschenden Haltungsänderung seitens des bisher Russland-feindlichen Kiewer Patriarchats die Rede ist. Demnach habe der Gründer und Patriarch der Ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats, Filaret, einen Brief an den Patriarchen von Moskau, (Kirill) Kyrill I., geschickt und ihn um Verzeihung für die Polemiken der Vergangenheit gebeten. Filaret bat Kirill dem Bericht zufolge, zu helfen, dass die Spaltung der orthodoxen Kirche in der Ukraine überwunden werde.

Ihrer moskautreuen Tochterkirche im Nachbarland Ukraine verlieh die Russisch-Orthodoxe Kirche unterdessen formal den Status der Unabhängigkeit. Das beschloss die Bischofssynode in Moskau laut Zeitung „Westi“ (Freitag). Der Vorsteher der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, Onufrij, hatte darum gebeten. Der besondere Status der Ukrainer werde im Statut der Russisch-Orthodoxen Kirche festgeschrieben, sei jedoch bereits vorher praktiziert worden, hieß es.

Die kirchliche Landschaft in der Ex-Sowjetrepublik Ukraine ist sehr zersplittert, es gibt allein vier orthodoxe Kirchen. Die moskautreue Kirche ist die größte von ihnen, in ihrer Hand sind die wichtigsten Heiligtümer wie das Höhlenkloster in Kiew. Die formale Unabhängigkeit soll Druck von der Kirche nehmen. Im ukrainischen Parlament liegen seit längerer Zeit Gesetzentwürfe, die Kirche wegen ihrer moskautreue unter staatliche Kontrolle zu stellen. Die Ukraine betrachtet Russland wegen der Annexion der Halbinsel Krim und der Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine als Aggressor.

Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats sieht sich als Nationalkirche, sie hatte sich mit der Unabhängigkeit 1992 von Moskau abgespalten. Der als Sensation aufgefasste Brief Filarets an Kirill handelt von gegenseitigem Vergeben und der Wiederaufnahme des Dialogs. Moskau interpretierte das auf Russisch verfasste Schreiben als Bitte, den über Filaret verhängten Kirchenbann aufzuheben. Filarets Brief endet mit den Worten: „Ich bitte um Verzeihung für all die Sünden, die ich in Worten, Taten und Gedanken begangen habe. Meinerseits verzeihe ich allen aufrichtig.“

Der Bischofsrat erklärte, er habe die Erklärung aus Kiew „mit Genugtuung angenommen“. Er betrachte ihn als „einen Schritt zur Beseitigung der Spaltung und Wiederherstellung des Gehorsams“.

Der zur Kiewer Kirche gehörende ukrainische Erzbischof Evstraty Zorya wollte den Brief seines Patriarchen hingegen anders interpretiert wissen. „Jegliche Reue gegenüber der russischen Kirche oder, mehr noch, die Rückkehr zu ihrem Herrschaftsbereich, sind völlig außer Betracht zu ziehen“, schrieb Zorya laut TASS auf Facebook.


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