Die neue Führungsspitze der AfD

Berlin (APA/AFP) - Die AfD („Alternative für Deutschland“) hat nach der Bundestagswahl ihre Führung neu aufgestellt. Der Doppelspitze aus Jö...

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Berlin (APA/AFP) - Die AfD („Alternative für Deutschland“) hat nach der Bundestagswahl ihre Führung neu aufgestellt. Der Doppelspitze aus Jörg Meuthen und Alexander Gauland wurden auf dem Parteitag in Hannover drei Stellvertreter zur Seite gestellt. Eine Frau ist in der engeren Führung nicht mehr vertreten.

Alexander Gauland:

Der 76-Jährige gilt längst als einer der einflussreichsten Köpfe der AfD, jetzt hat er mit dem Partei- und Fraktionsvorsitz die größte Machtfülle inne. Der Publizist aus Potsdam war 40 Jahre lang CDU-Mitglied, unter anderem Staatssekretär in Hessen. Zur AfD gehört er seit deren Anfängen 2013. Mit Alice Weidel bildete er das Wahlkampf-Spitzenduo für die Bundestagswahl, gemeinsam führen sie jetzt die Fraktion.

Gauland spielt gerne den polternden Hardliner, provoziert mit deftiger Wortwahl und steht für einen strammen Oppositionskurs. „Wir werden die Regierung jagen“, sagte er am Wahlabend. Die Grenzöffnung für Flüchtlinge im September 2015 nannte er ein „Geschenk“ für die AfD.

Jörg Meuthen:

Der Wirtschaftsprofessor ist schwer zu fassen, und genau das scheint sein Kalkül zu sein. Meuthen lässt gerne im Dunkeln, wo genau er politisch einzuordnen ist. Er sei „kein Flügler“, sagte der 56-Jährige in Hannover und betonte zugleich, der nationalkonservative Flügel sei „integraler Bestandteil“ der AfD.

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Meuthen ist seit 2013 bei der AfD und wurde 2015 Ko-Vorsitzender an der Seite von Frauke Petry. Seine politische Basis liegt im Südwesten der Republik. Sein Amt als Chef der baden-württembergischen Landtagsfraktion gab er kürzlich auf, um als Nachrücker für die AfD ins EU-Parlament zu wechseln. Sein Landtagsmandat legt er zum Jahresende nieder.

Georg Pazderski:

Seine Wahl zum Ko-Vorsitzenden scheiterte am Widerstand des rechten Flügels. Auch zum Parteivize wurde er nur mit mageren 51,2 Prozent gewählt. Pazderski gilt als Vertreter des konservativ-bürgerlichen Lagers in der AfD. Der 66-Jährige hatte sich für den Parteiausschluss des Thüringer Landeschefs Björn Höcke eingesetzt. Die AfD will er schnell zur Regierungsfähigkeit führen, was in der Partei umstritten ist.

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist alleiniger Vorsitzender des Berliner Landesverbands und Fraktionschef im Abgeordnetenhaus. Pazderski war 41 Jahre Berufsoffizier in der Bundeswehr. Seine Bewerbung als AfD-Chef hatte er auch mit seiner militärischen Erfahrung begründet. Die Partei brauche eine klare Führung und eindeutige Abgrenzung nach rechts und links.

Kay Gottschalk:

Über den 51-jährigen neuen Parteivize ist kaum etwas bekannt. Der frühere Versicherungsmanager aus Hamburg wechselte erst Anfang des Jahres nach Nordrhein-Westfalen und kam über Platz vier der dortigen Landesliste in den Bundestag. Unterstützt von dem inzwischen ausgetretenen nordrhein-westfälischen Politiker Marcus Pretzell hatte er sich zunächst für den Spitzenplatz der Landesliste beworben, war aber knapp gescheitert.

Gottschalk ist weiterhin Mitglied der AfD-Fraktion der Bezirksvertretung Hamburg-Mitte, will dieses Mandat Anfang 2018 aber abgeben. Sein Herz schlage „für den HSV, Modelleisenbahn und meinen Boxer Maximilian“, gab er bei einem WDR-Kandidatencheck an. Bei seiner Bewerbungsrede schlug er scharfe Töne an. Bejubelt vom rechten Flügel beschimpfte er die „verschissene EU“ und gegen den Parteitag demonstrierende „Linksfaschisten“.

Albrecht Glaser:

Der 75-Jährige wurde als Parteivize wiedergewählt. Glaser wurde vor allem durch die Wahl der Bundestagsvizepräsidenten bekannt. Der Jurist scheiterte am Widerstand aus den anderen Parteien, will aber Mitte Dezember ein weiteres Mal antreten. Glaser steht vor allem wegen Aussagen im Kreuzfeuer der Kritik, in denen er die Religionsfreiheit für Muslime in Abrede stellte.

Der Bundestagsabgeordnete aus Hessen war jahrzehntelang CDU-Mitglied, gehörte aber 2013 zu den Gründern der rechtspopulistischen AfD. Erfahrung hat Glaser auch in der Kommunalpolitik, von 1995 bis 2002 war er Stadtrat und Stadtkämmerer in Frankfurt am Main.


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