Deutschland

Potsdamer Paketbombe: Hinweise, Fehlalarme und besorgte Bürger

Polizeiautos in Deutschland. (Symbolfoto)
© APA/AFP/ADAM BERRY

Zahlreiche Hinweise, aber keine heiße Spur: Eine Sonderkommission fahndet nach dem DHL-Erpresser. Viele Bürger melden mitten im Weihnachtsgeschäft verdächtige Pakete, die sich aber als harmlos herausstellen.

Potsdam – Bei der Fahndung nach dem DHL-Erpresser hat die Polizei bereits drei Dutzend Hinweise erhalten.Eine heiße Spur sei aber noch nicht darunter, teilte eineSprecherin am Montag mit. Die nach der Auslieferung einer Paketbombe an eine Apotheke am Potsdamer Weihnachtsmarkt gebildete Sonderkommission wurde auf mehr als 50 Mitarbeiter aufgestockt.

Mitten im Weihnachtsgeschäft verlangen der oder die Erpresser von der Pakettochter der Deutschen Post laut Polizei mehrere Millionen Euro und drohen mit weiteren Bomben.Am Freitag war die Paketbombe am Potsdamer Weihnachtsmarkt von Spezialisten der Polizei unschädlich gemacht worden.Bereits Anfang November ging ein ähnlicher Sprengsatz bei einem Online-Versandhändler inFrankfurt (Oder) in Flammen auf.

Viele kontaktierten wegen Paketen Polizei

Zahlreiche Bürger meldeten am Montag verdächtige Pakete – allein das Potsdamer Polizeipräsidium zählte zehn. In allen Fällen hätten sich die Herkunft und der Inhalt aber klären lassen, ohne dass Spezialisten der Polizei anrücken mussten, sagte die Sprecherin.

So ging etwa bei der Bußgeldstelle der Polizei in Gransee nördlich vonBerlin ein verdächtiges Paket ein. Das Gebäude sollte evakuiert werden – doch im Paket war nur ein Christstollen. In Pritzwalk im NordwestenBrandenburgs wurde die Polizei von einer Frau wegen eines Pakets gerufen, in dem sich eine Tube mit Gel befand, die der Ehemann bestellt hatte. Auch in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt gab es Alarm. Zunächst schlossen Ermittler nicht aus, dass eine Granate in einem Paket war. Doch tatsächlich waren im Paket ohne Absender nur Kataloge.

Geläuterter Erpresser „Dagobert“: Bin genervt

Der frühere Kaufhauserpresser „Dagobert“ ist genervt von Äußerungen des brandenburgischen Innenministers Karl-Heinz Schröter (SPD). „Ich bin kein Fachmann für Erpressungen, sondern ein resozialisierter Bürger“, sagte Arno Funke am Montag der Deutschen Presse-Agentur . „Mein polizeiliches Führungszeugnis ist inzwischen sauber.“ Die Erpressungen seien Teil seiner Vergangenheit. „Das kann ich nicht nicht mehr ändern, aber das liegt hinter mir.“

Der Minister hatte zu der Erpressung des Paketdienstes DHL durch einen Unbekannten gesagt, er fühle sich an „Dagobert“ erinnert. Erst schickte der Erpresser ein Paket mit einer gefährlichen Bombe an eine Firma inFrankfurt (Oder), dann landete am Freitag ein zweites Paket in einer Apotheke am Potsdamer Weihnachtsmarkt, der daraufhin gesperrt wurde. Das Paket wurde mit einemWasserstrahl zerschossen. Der Erpresser hatte seine Forderung mit einem QR-Code verschlüsselt.

Mit ausgeklügelten Tricks und gescheiterten Geldübergaben hatte Funke in den 1990er-Jahren bundesweit für Aufsehen gesorgt. 1994 wurde der gelernte Schilder- und Lichtreklamehersteller gefasst und dann zu neun Jahren Haft und Schadenersatz verurteilt. Im Sommer 2000 kam Funke vorzeitig frei. Der heute 67-Jährige arbeitet als Karikaturist und schreibt Bücher.

Den Spitznamen „Dagobert“ ist der Geläuterte nie losgeworden. Polizei und Medien nannten ihn so, weil er per Zeitungsannonce mit dem Satz „Onkel Dagobert grüßt seine Neffen“ das Signal zur Geldübergabe geben wollte. Dafür deponierte er eine Streusandkiste über offenem Gully oder baute eine ferngesteuerte Lore für die Übergabe. Er narrte die Polizei und hatte dafür Sympathien in der Bevölkerung. Doch er hatte auch in mehreren Karstadt-Filialen Sprengsätze detonieren lassen.

Polizei und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatten die Bevölkerung gebeten, beim Empfang von verdächtigen Paketen sehr vorsichtig zu sein. Im Zweifel solle auf jeden Fall die Polizei informiert werden. Die Paketbomben könnten zu schwersten Verletzungen oder sogar zum Tod führen.

Forderung mit QR-Code verschlüsselt

Neben den Hinweisen gingen bei der Polizei auch zahlreiche Anrufe besorgter Bürger ein, die sich grundsätzlich informieren wollten, sagte ein Sprecher. Dafür solle das Hinweistelefon aber nicht genutzt werden.

Am Sonntag hatte die Polizei Hinweise auf die Person erbeten, die am Donnerstagmorgen die Paketbombe in eine Potsdamer Packstation gelegt hatte. Die bereits Anfang November verschickte erste Paketbombe des oder der Täter war nach Ermittlungen der Polizei in Berlin aufgegeben worden. Den genauen Ort gaben die Ermittler nicht bekannt.

Der Absender der Bomben hatte seine Forderung mit Hilfe eines sogenannten QR-Codes gestellt, der der Potsdamer Paketbombe beilag. Ein QR-Code („Quick Response“, englisch für „schnelle Antwort“) ist ein zwei-dimensionaler Barcode, mit dem Informationen verschlüsselt versendet werden können. In sogenannten Datenpixeln, ausgezeichnet als kleine, schwarz-weiße Punkte, sind zum Beispiel Texte, URL-Adressen für Websites oder Bilder enthalten. Ein ähnliches Schreiben in Frankfurt (Oder)könnte bei dem Feuer verbrannt sein. Die Polizei geht wegen der Abgabeorte und der Adressen davon aus, dass der Täter aus dem Raum Berlin-Brandenburg stammen könnte.

Weil sich der ursprünglich nicht ausgeschlossene Terrorverdacht nicht bestätigte, wurde auch die Zusammensetzung der Sonderkommission entsprechend angepasst. (dpa)