Begegnungszone soll Landesstraße einbremsen
Die Verkehrszählung unterstützt die Idee einer Begegnungszone durch Prutz. Es wäre die erste ihrer Art auf einer Tiroler Landesstraße.
Von Matthias Reichle
Prutz –Lkw, die nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Radfahrer, querende Fußgänger und viele durchfahrende Pkw – die Verkehrssituation in Prutz ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Die enge Gasse, durch die die Straße ins Kaunertal führt, ist kaum für ein größeres Verkehrsaufkommen ausgelegt. Trotzdem wurden am 8. September dieses Jahres im Ortskern im Kreuzungsbereich der Kaunertaler Straße zur Dorfstraße 4721 Kraftfahrzeuge registriert.
Das ergab eine aktuelle Verkehrszählung, die Bürgermeister Heinz Kofler seit letzter Woche vorliegt. „Am 7. September waren allein 137 Lkw unterwegs.“ Die Erhebung zeigte aber auch, dass nicht nur der Durchzugsverkehr, sondern auch der Querverkehr erheblich ist. So wurden an durchschnittlichen Tagen auch 90 Radfahrer gezählt bzw. bis zu 785 Fußgänger. Die Studie stützt den Plan der Gemeinde, im Zentrum eine Begegnungszone auszuweisen, wie Kofler betont.
Dabei handelt es sich um eine Form der Verkehrsberuhigung, bei der eine gemeinsame Verkehrsfläche geschaffen wird und Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt sind. Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 bzw. 30 km/h.
Das Besondere: In Prutz würde die Begegnungszone nicht wie sonst inzwischen üblich auf einer Gemeinde-, sondern einer Landesstraße, die zu fünf Hinterliegergemeinden führt, ausgewiesen. Kaunertal, Kauns, Kaunerberg, Faggen und Fendels und zwei Skigebiete werden so erschlossen. „Die Landesstraßenverwaltung hat ihr Okay gegeben“, so Kofler.
Gute Voraussetzungen bestätigt Robert Zach von der Abteilung Straßenbau des Landes: „Jetzt muss sich die Gemeinde in ihrem Wirkungsbereich die Art der Begegnungszone überlegen und mit der Bezirkshauptmannschaft abstimmen, ob diese genehmigungsfähig ist“, erklärt er. „Wir haben aufgrund der Verkehrszählungen gesagt, dass wir uns das vorstellen können.“ Auch für das Land wäre es eine Neuheit, dass ein ganzer Abschnitt einer Landesstraße als Begegnungszone ausgewiesen wird. „Bisher gibt es eine Art Begegnungszone in Stans, die aber nicht verordnet ist“, so Zach. Aufgrund des Fußgängerverkehrs und der Örtlichkeit sowie der bestehenden Schutzwege könnte der Bereich in Prutz aber gut geeignet sein, erläutert er. „Für die Autofahrer wird sich nicht viel ändern.“
Das betont auch Kofler. Er erwartet sich im Gegenteil, dass der Verkehr flüssiger und mehr Rücksicht genommen wird. Auch die Bürgermeister der Hinterliegergemeinden würden seine Sicht teilen.
Die große Hoffnung aber ist, dass es durch die Begegnungszone gelingt, den Schwerverkehr auf eine Umfahrungsstraße, die momentan noch wegen der GKI-Baustelle für den Individualverkehr gesperrt ist, umzuleiten. Man hofft hier auf die Kooperation der Frächter.
Im Jänner startet die Gemeinde Prutz einen Bürgerbeteiligungsprozess, bei dem es um die Neugestaltung und Belebung des neuen Dorfplatzes geht. Die Begegnungszone soll dabei ebenfalls Thema sein. Bis dahin will die Gemeinde einen Entwurf einer entsprechenden Verordnung vorliegen haben, kündigt der Dorfchef an.