„Santas“ bezahlen in US-Geschäften Spielzeug für fremde Kinder

Washington (APA/dpa) - Eigentlich wollte Charlie K. im Spielzeuggeschäft in Cherry Hill in den USA nur nach Geschenken für seinen Sohn schau...

Washington (APA/dpa) - Eigentlich wollte Charlie K. im Spielzeuggeschäft in Cherry Hill in den USA nur nach Geschenken für seinen Sohn schauen. Als er Toys ‚R‘ Us wieder verließ, war er um fast 11.000 Dollar (9.255,36 Euro) ärmer - und doch zugleich reicher, wie er findet. Denn dank seiner Großzügigkeit können auch Dutzende andere Familien in der Stadt und Umgebung ihren Sprösslingen etwas unter den Christbaum legen.

Sie sind wieder unterwegs: Hunderte, wenn nicht Tausende von „LayawaySantas“ oder „Layaway Angels“, die in den USA Eltern das Beschenken ihrer Kinder zu Weihnachten leichter machen. Und dafür jedes Jahr zusammen Millionen Dollar aus der eigenen Tasche hinblättern, oft anonym. „Layaway“ ist ein Angebot, das viele große Ketten Kunden zu den Feiertagen machen: Übersetzt heißt es das Zurücklegen von Waren, die dann in Etappen abgezahlt und mit nach Hause genommen werden können, wenn die Rechnung voll beglichen ist.

Das ermöglicht es Käufern, temporäre Preisnachlässe zu nutzen, ohne gleich voll bezahlen zu müssen - ein nützliches Angebot für alle, die mit jedem Cent rechnen müssen, aber sich und ihren Lieben zum Fest eine Freude machen wollen. Und hier kommen die „Layaway“-Weihnachtmänner und -Engel ins Spiel. Wie Charlie K., der sich kurzfristig entschloss, zurückgelegte Waren von Fremden im Wert von 10.780 Dollar (9.033 Euro) auf einen Schlag abzubezahlen. Das heißt, mehr als 60 Kunden können nun die Spielzeuge nach Hause holen, ohne sie weiter abstottern zu müssen. Oder ohne am Ende mit leeren Händen dazustehen, weil sie über die - stets erforderliche - Anzahlung hinaus einfach kein Geld mehr zur Verfügung hatten.

Charlie im US-Staat New Jersey schilderte in einem CBS-Interview, er habe schlicht Familien helfen wollen, denen es nicht so gut gehe wie ihm selbst. Zugleich sei es eine Gelegenheit, der Gemeinde, in der er lebe, etwas zurückzugeben. Ihr habe er letztlich den Wohlstand zu verdanken, der ihm jetzt Großzügigkeit erlaube. „Ich versuche, Menschen etwas Glück zu bringen, der Gemeinde, die mich und meine Familie glücklich gemacht hat“, sagte der „Layaway Santa“ - und legte prompt noch nach. Alle Kunden, die sich gerade im Geschäft befanden, dürfen auf seine Kosten drei Spielzeuge für eine alljährliche US-weite Geschenkaktion des Marinekorps zugunsten von Kindern aussuchen.

Die Zahl von „Layaway“-Wohltätern ist stetig gewachsen, auch dank der sozialen Medien, in denen Weihnachtsmänner und Engel andere zum Mitmachen anspornen. Manche tun es alljährlich, für andere ist es eine spontane Sache, wie etwa in einem Fall in Austin (Texas): Da erfuhr ein Finanzberater vor dem Christfest 2016 zufällig, dass eine Frau die 55 Dollar Restbetrag für eine Puppe und andere Geschenke für ihre Kinder nicht aufbringen konnte. Er ging ins Geschäft und beglich die Rechnung.

In mehr als einem Dutzend Fällen gaben einzelne Wohltäter im vergangenen Jahr mehr als 300.000 Dollar (252.419,02 Euro) aus, um für Waren aufzukommen, die sonst wohl wieder in den Regalen gelandet wären, weil die Frist für das Bezahlen fast abgelaufen war. In Pennsylvania reiste ein Mann der Zeitung USA Today zufolge sogar in mehrere verschiedene Städte, um in Walmart-Geschäften die Rechnungen für 239 Kunden zu begleichen - im Durchschnitt 200 Dollar pro Person.

In einem anderen Geschäft in Florida sah ein Mann zufällig hinter einer „Layaway“- Theke all die zurückgelegten Waren. Er fragte den Manager, wie viel sie wohl zusammen kosteten. Es waren rund 90.000 Dollar. So viel konnte sich der 40-Jährige nicht leisten - aber er übernahm 21.000 Dollar. „Er hat nur einfach seine Kreditkarte immer wieder durch das Gerät gezogen und jedes Mal „Frohe Weihnachten“ gesagt“, zitierte NBC News eine Zuschauerin.

Diese Wohltat im Jahr 2013 sorgte für Schlagzeilen und hat seitdem viele andere inspiriert. Und man muss nicht Tausende auf dem Bankkonto haben, um Fremden eine derartige Weihnachtsfreude zu bereiten. Seit 2011 gibt es eine Organisation, die ganz aus Freiwilligen besteht und per Internet Geld sammelt, um dann für zurückgelegte Waren zu bezahlen. Mit Hilfe dieser Spenden hat „PayawaytheLayaway“ mittlerweile Santas und Engel in Geschäfte in mehr als 50 Städten US-weit entsandt. Der Lohn: viele Freudentränen erleichterter Eltern.

(S E R V I C E - Webseite von pay away the Layaway: http://dpaq.de/lmUou )