Erste Plug-in-Hybrid-Müllabfuhr ab Mitte Dezember in Linz im Einsatz

Linz (APA) - Das erste Plug-in-Hybrid-Müllauto, dessen Hydraulik nicht mehr mit Diesel sondern elektrisch betrieben wird, geht noch heuer in...

Linz (APA) - Das erste Plug-in-Hybrid-Müllauto, dessen Hydraulik nicht mehr mit Diesel sondern elektrisch betrieben wird, geht noch heuer in Linz in Dienst. Der städtische Versorger Linz AG hat das Fahrzeug, das mit dem Mühlviertler Batteriehersteller Kreisel Electronics entwickelt wurde, am Montag in einer Pressekonferenz vorgestellt. 4.000 Liter Diesel pro Jahr können so eingespart werden.

Das Müllauto fährt ganz normal mit Diesel, doch der gesamte Be- und Entladevorgang erfolgt elektronisch, erklärte Alfred Leimer, Geschäftsführer der Linz-AG-Service-GmbH. „Es ist quasi die komplette Technik eines Elektro-Autos am Lkw“, verdeutlichte Kreisel Electrics-Geschäftsführer Markus Kreisel. Durch die Start-Stop-Automatik schaltet der Antriebsmotor aus, sobald das Fahrzeug steht, und die 51 Kilowattstunden starke Batterie übernimmt den Ladevorgang. Zurzeit gebe es für einen vollelektronischen Betrieb keine marktreife Lösung, so Leimer. Laut Generaldirektor Erich Haider sei jenes der Linz AG das bisher einzige derartige Hybrid-Müllauto in Österreich.

Die Vorteile sind weniger Lärmbelästigung, vor allem auch für die Mitarbeiter, und eine Treibstoff- und Emissionsreduktion von 25 bis 30 Prozent. Die Abmessungen entsprechen einem gängigen Müllauto, auch das Ladevolumen von rund zehn Tonnen blieb gleich - eine große Herausforderung für den Hersteller, wie Kreisel anmerkte, doch Volumen zu verlieren war keine Option. Also entwickelte man eine 300 Kilo schwere Batterie, wo andere Hersteller laut Kreisel mit 1.500 Kilo-Kolossen arbeiten. Eingebaut ist sie hinter dem Führerhaus, hochkant vorne am Müll-Container.

Der Preis liegt mit 250.000 Euro rund 60.000 Euro über dem für ein voll dieselbetriebenes Fahrzeug, rechnete Müllabfuhr-Leiter Berthold Amerstorfer vor. Das Auto sei üblicherweise zehn Stunden unterwegs, erklärte Abfall-Bereichsleiter Erich Ehrentraut. Die Batterie-Kapazität von 51 kWh sei darauf ausgelegt - mit Option auf ein Upgrade auf 60 kWh, so Kreisel. Freilich gibt es auch ein Back-up. „Sollte die Batterie leer sein, kann mit Diesel angetrieben werden“, sagte Ehrentraut. Der Prototyp soll nun drei Monate in den Stadtgebieten Neue Welt, Spallerhof und Spaunviertel getestet werden, ehe über Folgeaufträge diskutiert wird. „Wir schauen uns die Wirtschaftlichkeit an und das Fahrzeug muss stabil laufen“, gibt Haider vor.

Mitte 2016 sei seine Firma mit der Idee an die Linz AG herangetreten, effektiv habe man sechs Monate am Produkt gearbeitet, erklärte Kreisel. Aufbauhersteller M-U-T musste spezielle Halterungen anbringen und die elektrischen Komponenten abstimmen, so Entwickler Markus Fürst. M-U-T sowie Lkw-Bauer Scania seien an dem Produkt sehr interessiert, so Kreisel. Immerhin werde in vielen Ausschreibungen schon ein Hybridantrieb gefordert.