„Eiserne Kirche“ in Istanbul wird neu geweiht
Istanbul (APA) - Die bulgarische Kirche St. Stefan in Istanbul wird am 7. Jänner nach fast zehnjähriger Restaurierung neu geweiht. Der Ökume...
Istanbul (APA) - Die bulgarische Kirche St. Stefan in Istanbul wird am 7. Jänner nach fast zehnjähriger Restaurierung neu geweiht. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. und der bulgarisch-orthodoxe Patriarch Neofit werden konzelebrieren, wie Kathpress meldet.
Auch der türkische Staatspräsident Recep T. Erdogan und der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow haben nach Angaben der Wiener Stiftung Pro Oriente vereinbart, gemeinsam bei der Liturgie anwesend zu sein. St. Stefan trägt auch den Namen „Eiserne Kirche“, weil sie aus Stahl und Eisen erbaut wurde. Nach einer internationalen Ausschreibung waren die zusammen 500 Tonnen schweren Bauelemente zwischen 1893 und 1896 bei „Waagner-Biro“ in Wien gefertigt und über die Donau und das Schwarze Meer nach Istanbul verschifft worden.
St. Stefan spielte eine große Rolle bei der bulgarischen politischen und kirchlichen Renaissance im 19. Jahrhundert. Damals entwickelten sich auch kirchliche Strömungen, die eine Emanzipation der bulgarisch geprägten Gebiete des Osmanischen Reiches vom orthodoxen Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel wünschten. 1870 wurde ein autonomes bulgarisch-orthodoxe Exarchat mit Sitz in Konstantinopel begründet. Als Amtssitz bestimmte man die damals noch hölzerne Kirche St. Stefan, die bereits seit 1849 als Gotteshaus der bulgarischen Gemeinde in der Stadt galt.
1872 rief das Exarchat einseitig seine Unabhängigkeit (Autokephalie) aus. Eine kurz darauf einberufene Synode, an der die Patriarchen von Konstantinopel, Alexandrien, Jerusalem und Antiochien sowie der Erzbischof von Zypern teilnahmen, erklärte daraufhin, dass das ethnisch-nationale Prinzip für die Bildung neuer Staaten sinnvoll sein könne, für die Kirche jedoch nicht annehmbar sei, da die ethnische Herkunft der Gläubigen keine Rolle spiele. Während die Bildung von Nationalkirchen in souveränen Staaten wie im unabhängigen Staat Griechenland legitim sei, wurde die Idee zurückgewiesen, dass innerhalb eines Staates - hier des Osmanischen Reiches - verschiedene orthodoxe Kirchen nach ethnischen Gesichtspunkten entstehen könnten. Die bulgarische Kirche wurde in der Folge für schismatisch erklärt, erst 1945 kam es zur Versöhnung. Die Weihe der Kirche St. Stefan am 7. Jänner soll diese Versöhnung besiegeln.
Die Grundsteinlegung für die „Eiserne Kirche“ erfolgte durch den Exarchen Josef I. 1892. Der beauftragte armenische Architekt Hovsep Aznavor entschied sich angesichts des schwachen Untergrunds am Goldenen Horn für einen leichten Bau ganz aus Stahl und Eisen und gegen eine Stahlbetonkonstruktion. Nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit wurde die neue Kirche 1898 geweiht. Der tragende Rahmen der Kirche besteht aus Stahl, die Außenhaut aus gusseisernen Platten, die miteinander vernietet, verschweißt und durch Bolzen miteinander verbunden sind. In ihrer Architektur vereint die dreischiffige Kirche Elemente der Neogotik und des Neobarock. Die sechs Glocken des 40 Meter hohen Glockenturms wurden in der russischen Stadt Jaroslawl gegossen. Die Ikonostase wurde in Moskau angefertigt.