Erste Konsequenzen: Pädagoge in Neustift suspendiert
Der betroffene Pädagoge war nach Auskunft des Landes in den 1990er-Jahren an der Skihauptschule Neustift im Schul- und Trainingsbereich tätig. Der ehemalige Direktor will von den Vorfällen damals nichts gewusst haben. Ex-Skirennläuferin Nicola Werdenigg erwartet indes Fälle in weiteren Sportarten.
Innsbruck – Im Zusammenhang mit der Klärung von Missbrauchsvorwürfen in der Skihauptschule Neustift wurden am Montag erste Konsequenzen gezogen: Ein Pädagoge wurde vorläufig suspendiert, wie das Land Tirol in einer Aussendung bekannt gab.
Darin heißt es, die Bildungsabteilung des Landes und der Landesschulrat hätten in den letzten Tagen im Auftrag von Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) unzählige Akten von den 1970er-Jahren bis heute durchforstet. Dabei sei man nun auf einen ersten Fall gestoßen, „der eine vorläufige Suspendierung gegen einen in den 1990er-Jahren an der Skihauptschule Neustift im Schul- und Trainingsbereich tätigen Pädagogen nach sich zieht“.
Dem Pädagogen wird vorgeworfen, anzügliche Gespräche mit Schülerinnen und Schülern geführt zu haben und sie im Zuge von Massagen und Sicherungsarbeiten im Training und Sportunterricht unpassend berührt zu haben.
„Wir unternehmen alle möglichen Anstrengungen, um erhobene Vorwürfe lückenlos aufzuklären und Konsequenzen zu ziehen“, meinte Palfrader. Der betroffene Pädagoge bleibe bis zur Klärung der strafrechtlichen und disziplinärrechtlichen Verantwortung vorläufig suspendiert.
Ex-Direktor will nichts gewusst haben
Bis 1978 hat der Tiroler Skiverband (TSV) die Kosten für Trainer, Training, Wettkampf und Heimleiter in Neustift getragen. Gegen den damaligen Heimleiter gibt es schwere Anschuldigungen. Zuletzt von der Mutter eines ehemaligen Schülers, der 1981 gestorben ist. Der Standard berichtete am Montag.
In der Skihauptschule im Stubaital ist man um die Aufarbeitung der Vergangenheit bemüht, wie Direktor Thomas Wirth betont. Gegenüber der TT bestätigte Wirth am Montag, dass sich der damalige Direktor schriftlich bei ihm gemeldet hat. Er stand der Schule von 1969 bis 1981 vor. „Er meinte jedoch, man müsste zum einen richtig stellen, dass das Internat in seiner Zeit nichts mit der Schule zu tun gehabt hätte. Außerdem der ehemalige Direktor hinzugefügt, dass er von den heute geschilderten Vorfällen damals nichts gewusst habe“, bezieht sich Wirth auf ein E-Mail des Ex-Direktors.
Die TT wollte von dem heute in Innsbruck lebenden Schulleiter wissen, was er zu den Schilderungen von Betroffenen sage. Doch der Pädagoge gab deutlich zu verstehen, dass er in Ruhe gelassen werden möchte. Er dürfte jedoch von den Behörden in den nächsten Wochen befragt werden.
Werdenigg erwartet Fälle in weiteren Sportarten
Die Tiroler Ex-Skirennläuferin Nicola Werdenigg hat indes am Montag in „Tirol Heute“ im ORF auf die Aussagen zweier Opfer zu Anklagen wegen sexueller Übergriffe von Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher reagiert. „Es kann in sehr vielen Sportarten noch etwas kommen. Es ist ganz gut, dass es nicht nur auf den Skisport alleine beschränkt ist.“
Mit der Sportart habe das nichts zu tun. „Das ist in Verbänden und Vereinen, das liegt im Sportsystem, im Training, in den Aufbau-Strukturen“, sagte Werdenigg über immer mehr gemeldete Missbrauchsfälle. Sie selbst hatte „die Lawine“ mit Berichten von sexuellen Übergriffen bis hin zu einer Vergewaltigung durch einen Mannschaftskollegen – als sie 16 Jahr alt war – ins Rollen gebracht.
Am Dienstag wird sie nun am Landeskriminalamt Tirol aussagen. „Ich vertraue darauf, dass man das von rechtsstaatlicher Seite sehr gut lösen wird“, erklärte die Olympia-Vierte in der Abfahrt 1976 in Innsbruck dazu. (TT.com, pn)