Jemens politisches Chamäleon
Dubai/Sanaa (APA/AFP) - Ali Abdallah Saleh war als politisches Chamäleon bekannt. Als Präsident führte Saleh sechs Jahre lang Krieg gegen di...
Dubai/Sanaa (APA/AFP) - Ali Abdallah Saleh war als politisches Chamäleon bekannt. Als Präsident führte Saleh sechs Jahre lang Krieg gegen die Houthi-Rebellen, nach seinem erzwungenen Rücktritt verbündete er sich mit ihnen im Kampf gegen den neuen Staatschef.
Kürzlich wechselte der 75-Jährige erneut die Fronten und signalisierte der von Saudi-Arabien angeführten militärischen Allianz, die die Houthi-Rebellen bekämpft, Gesprächsbereitschaft. Das bezahlte Saleh nun offenbar mit seinem Leben. Laurent Bonnefoy, Jemen-Experte am französischen Forschungszentrum CNRS, erklärt die Hintergründe des Bruchs mit den schiitischen Houthi-Rebellen.
Warum zerbrach das Bündnis zwischen Saleh und den Houthis?
„Die 2014 entstandene Allianz zwischen den Houthis und Ex-Präsident Saleh hat den Krieg zwar geprägt, aber langfristig verfolgten die beiden unterschiedliche Ziele. (...) Zuletzt wollten die Houthis ihren eigenen Leuten Zugang zu den höchsten Staatsämtern verschaffen. Salehs Ziel war es aber, sich selbst Einfluss und Macht zu sichern, möglicherweise indem er seinen Sohn Ahmed Ali, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebt, als politische Alternative präsentiert.
Es gab schon länger Spannungen in diesem Bündnis. Aber erst als die Houthis versuchten, die Saleh-Moschee unter ihre Kontrolle zu bringen, die er zu seinem Ruhm hatte bauen lassen, hat das Pulverfass zur Explosion gebracht. Sicherlich hat Saudi-Arabien Saleh zu diesem Bruch ermutigt, indem es ihm politische Garantien angeboten hat.“
Ist das nun ein Wendepunkt in diesem Krieg?
„Das Ende der Allianz zwischen Houthis und Saleh bedeutet sicher eine große Wende. Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht, weil jetzt die Kämpfe am Boden in der Hauptstadt Sanaa und anderen Regionen ausgetragen werden, die bisher zwar bombardiert, aber von Kämpfen verschont geblieben waren.
Angesichts dessen, dass die Koalition bereits von einem ‚Volksaufstand‘ gegen die Houthis spricht, könnte Saudi-Arabien das Ende der Bombardements verkünden und so den internationalen Forderungen entgegenkommen. Das wäre sicher gut für die jemenitische Zivilbevölkerung, der Krieg wäre damit aber nicht beendet.“
Was sind die nächsten Schritte?
„Die Houthis warfen Saleh seit mehreren Monaten vor, ein Verräter zu sein und im Geheimen mit Saudi-Arabien zu verhandeln. (...) Das Ende der Allianz zwischen den Houthis und Saleh bedeutet nicht, dass erstere von der Bildfläche verschwinden. Ihre militärische Stärke ist nach wie vor vorhanden und sie sind in vielen Regionen tief verwurzelt. Sie stehen unter Druck und die kommenden Wochen werden zeigen, ob sie zu Zugeständnissen bereit sind oder ob sie allein einer militärischen Logik folgen.“