Missbrauchsvorfälle: Land setzt externe Expertenkommission ein
Wegen der Vorwürfe mehrerer schwerer Übergriffe im Skigymnasium Stams und der früheren Skihauptschule Neustift installiert das Land Tirol nun eine unabhängige Expertenkommission.
Innsbruck – Nicola Werdenigg hat vor zwei Wochen eine Lawine ins Rollen gebracht, heute wird die Tiroler Ex-Skirennläuferin zu den von ihr gemachten Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfen vom Landeskriminalamt einvernommen. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat vor eineinhalb Wochen Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen.
Zur weiteren Aufarbeitung hat das Land Tirol heute die Einrichtung einer externen und unabhängigen Kommission mit Vertretern aus der Justiz, der Sportuniversität und den Pädagogischen Hochschulen beschlossen.
Die Kufsteiner Familienrichterin Andrea Wibmer-Stern führt den Vorsitz der Kommission. Die weiteren Mitglieder werden in den nächsten Tagen ernannt.
„Die in den letzten Wochen aufgekommenen Vorwürfe von physischer und psychischer Gewalt und Missbrauch im Zusammenhang mit dem Nachwuchssport nehmen wir zum Anlass, um dieses Thema mit Transparenz und Offenheit aufzuarbeiten“, sagte Landeshauptmann Günther Platter nach der Regierungssitzung am Dienstag. Die juristische, pädagogische und wissenschaftliche Aufarbeitung soll in der installierten Kommission anhand vorhandener Berichte und Akten gebündelt stattfinden.
„Lückenlose Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe“
„Die Vorwürfe, vor allem aus den letzten Jahrzehnten betreffend zwei Tiroler Sportschulen und dazugehörigen Internaten, aber auch in Sportvereinen und -verbänden sowie die damit zusammenhängende öffentliche Diskussion, bedürfen unserer größten Anstrengung, um diese lückenlos aufzuklären. Auch müssen klare Konsequenzen gezogen werden“, verwies Bildungslandesrätin Beate Palfrader auf die vorläufige Suspendierung eines in den 1990er-Jahren an der Skihauptschule Neustift im Schul- und Trainingsbereich tätigen Pädagogen.
„Es ist das Gebot der Stunde, Verantwortung zu übernehmen und die Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer persönlichen Geschichte zu unterstützen. So etwas darf nicht mehr passieren – es gibt in diesem Bereich absolut keinen Raum für Toleranz. Die Aufarbeitung soll Grundlage für Prävention und Aufklärung für die Gegenwart und Zukunft sein“, so der für Sport zuständige LHStv. Josef Geisler und die für Gewaltprävention zuständige Landesrätin Christine Baur.
Der Tiroler Skiverband (TSV) will sich ebenfalls heute umfassend mit den Missbrauchsvorwürfen in der Skihauptschule Neustift befassen. Gegen den Heimleiter in den 1970er-Jahren gibt es schwere Anschuldigungen. Der weist diese jedoch entschieden zurück. Bis 1978 hat der TSV die Kosten für Trainer, Training, Wettkampf und Heimleiter getragen. (TT.com)